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Dick drin... im Hollywood Business und in den
Herzen der Frauen.
George Clooney hat es richtig schlau angefangen.
Erst hat er die Welt süchtig nach seiner Oberfläche
gemacht und sie dann nach und nach mit Inhalt gefüült.
"Der schönste Schauspieler Hollywoods ist mittlerweile
auch einer der besten", schreiben Branchenblätter inzwischen
über ihn. Und wenn man George Clooney heute so anguckt, scheint
er mit dem Stand der Dinge sehr zufrieden zu sein.
Clooney ist nach Berlin
gekommen, um seinen ersten eigenen Film vorzustellen, Für
sein Regiedebüt "Geständnisse - Confessions of
a Dangerous Mind" (Start: 24.4. 2003) humpelt er jetzt durch
eine dieser feinen 'Four Seasons'-Suiten in Berlin und gibt sich
alle Mühe, Getränke zu servieren. Dabei versucht er,
nicht so verschnupft zu wirken, wie er sich fühlt. Und auch
wenn sein Kopf schwer ist, die Nase rot und der Fuß (nach
einem Basketballmatch) geschient, trotz dieser ganzen Malai-sen
schafft George Clooney es, gut auszusehen und mir gleichzeitig
das Gefühl zu geben, dass es nichts Wichtigeres und Schöneres
in seinem Leben gibt, als gerade jetzt in diesem Augenblick dieses
Interview zu geben. Ursprünglich war ich mir sicher, dass
der klassische George-Clooney-Appeal nicht so besonders auf mich
wirkt. Aber jetzt macht er tatsächlich Eindruck. Der "sexiest
man alive' könnte ausstrahlen: "Hey, ich krieg jede
Frau, die ich will." Tut er aber nicht. Eher wirkt er nachdenklich
und verbindlich. Weniger perfekt als gedacht. Und auf eine angenehme
Art sehr charmant.
Wie wird man denn damit
fertig, dass die ganze Welt einen sexy findet? "Hm, ich bin
mir gar nicht so sicher, dass es wirklich noch die ganze Welt
ist", sagt er lächelnd, "lch werde älter.
Und keiner will mir glauben, dass Brad Pitt nur zwei Jahre jünger
ist als ich ".
Na ja. Die Ausstrahlung
eines Berufsjugendlichen hat er eigentlich noch nie gehabt: galt
er doch schon mit Anfang 30 als Kinderarzt Dr. Doug Ross in "Emergency
Room' als Profi in Sachen Mannsein. Warren Beatty hat ihn damals
zur Seite genommen und gewarnt: "Sie werden dir nie verzeihen,
wenn du plötzlich auf die Idee kommst, in einem schlauen
Film mitzuspielen." Beattys Fazit aus eigener Erfahrung:
"Pretty boys are not allowed to have minds of their own."
Im Fall George Clooney hat er damit nicht Recht behalten. Clooney
hat sich an besondere Rollen gewagt. So war er der eiskalte Killer
in "From Dusk Till Dawn". Der charmante Bankräuber
in der Elmore-Leonard-Verfilmung '0ut of Sight' Schatzsuchender
Special-Forces-Captain in der Golfkriegssatire "Three Kings",
ausgebrochener Kettensträfling in "0 Brother, Where
Art Thou?" oder Gentlemangauner in "0cean's Eleven'.
Für einen guten Film gibt er alles. In seinem letzten, dem
Science-Fiction-Remake "Solaris" spielt er brillant
wie nie einen Wissenschaftler. Und er zieht sich das erste Mal
ganz aus. "Als Verkaufsargument", wie er jetzt lächelnd
zugibt, "damit sich mehr Leute diesen nicht ganz einfachen
Film angucken." Natürlich hätte aus diesem Schönling
mit Talent ein richtiges Scheusal werden können. Aber wahrscheinlich
tat es George Clooney ganz gut, dass sein Weg zum Erfolg ein langer
war.
Seinen ersten Traum, Basketballspieler zu werden, musste er
begraben, weil er nicht gut genug war. Mit 21 ging er dann nach
Hollywood, um Schauspieler zu werden. Aber auch das ließ
sich nicht wirklich viel versprechend an, "Wenn du jung bist",
hat Clooney mal gesagt, "ist Ruhm dieses große weiße
Licht, auf das du gerade zugehst. Du denkst, dass du eines Tages
mittendrin stehst und glücklich bist."
Das große weiße Licht zeigte ihm aber keinen geradlinigen
Weg, über zehn Jahre spielte er in B-Movies und billig produzierten
Serien, die so schlecht waren, dass sie teilweise gar nicht ausgestrahlt
wurden. Denkt man irgendwann, dass es an einem selbst liegt? "Nein",
antwortet Clooney, ohne zu überlegen. "lch habe wahllos
Rollen gespielt, weil ich Arbeit brauchte, das war alles lch hatte
orthopädische Schuhe verkauft und Tabak geerntet, und jetzt
wollte ich mit Schauspielern mein Geld verdienen.
In meinem Beruf sind nicht sehr viele Menschen wirklich erfolgreich.
95 Prozent der Leute verdienen weniger als 5000 Dollar im Jahr:
Ums Berühmtwerden, sagt George Clooney sei es ihm nie gegangen.
Schließlich war er schon als Kind berühmt. Als Sohn
von Nick Clooney, einem sehr bekannten Talkshow-Moderator. Und
als Neffe der Sängerin Rosemary Clooney, die wiederum mit
dem Hollywoodstar José Ferrer verheiratet war. George war
von Anfang an der kleine Showprinz der Familie. Mit sieben saß
er Zigarre rauchend im Fernsehen und ließ sich von seinem
Daddy interviewen. "lch habe das sehr genossen. Ganz anders
als meine große Schwester. Wenn du dieses Leben nicht magst,
ist es schrecklich, in so einer Familie groß zu werden.
Meine Schwester hat als Kind einen Aufsatz geschrieben, in dem
stand: "Mein Vater ist ein Fernsehstar, meine Mutter eine
Schönheitskönigin und mein Bruder ihr einziges Kind."
Inzwischen ist das überzeugte Showbiz-Kid erwachsen geworden.
Und hat seine eigenen Ausdrucksformen gefunden. Wie jetzt in Clooneys
sehr gelungenem Regiedebüt sichtbar wird "'Geständnisse
- Confessions of a Dangerous Mind" ist die verfilmte Autobiografie
des bekannten TV-Moderators Chuck Barris. Er war der Erfinder
von Formaten wie "Herzblatt" und behauptet in seinen
Memoiren, neben seiner Karriere im Fernsehen verdeckt als Killer
der CIA gearbeitet zu haben, Clooney wartete lange darauf, die
versprochene Rolle als Agent darin zu spielen, "Wir drehten
gerade '0cean's Eleven. Im Mai sollten die Dreharbeiten zu 'Confessions'
losgehen. Dann wurden sie zum vierten Mal abgesagt. Da hat es
mir gereicht, lch fand die Geschichte fantastisch und hatte keine
Lust mehr zu warten. Deshalb entschied ich mich, selbst die Regie
zu übernehmen."
Und dann trotzdem auch mitzuspielen? "lch wollte unbedingt
Sam Rockwell für die Hauptrolle besetzen. Da der aber noch
kein Star ist, brauchte ich ein paar Zugpferde." Also heuerte
er Julia Roberts und Drew Barrymore an, Brad Pitt und Matt Damon
sagten Cameo-Auftritte zu. Und er selbst übernahm die Rolle,
für die er von Anfang an vorgesehen war. Was sind denn die
Stärken des Schauspielers Clooney, wenn man jetzt den Regisseur
Clooney mal fragt? "lch weiß nicht. Gutes Haar vielleicht
Ziemlich gutes Haar", sagt Clooney und muss laut lachen.
"Nein, ich habe in diesem Film als Schauspieler einfach
nur versucht, die Löcher zu füllen, die ich vielleicht
als Regisseur verursacht habe."
Glaubt er denn wirklich, dass sie wahr ist, diese aberwitzige
Lebensgeschichte, die er da verfilmt hat? "0b alles stimmt
oder nicht, ist für mich nicht entscheidend. lch liebe die
Idee, dass jemand, der so erfolgreich war wie Chuck Barris, das
Bedürfnis hat, eine derartige Geschichte über sich selbst
zu veröffentiichen." Clooney trinkt einen großen
Schluck Mineralwasser und nimmt Grippemittel dazu, Ein bisschen
blass ist er schon, so wie er dasitzt in seinem dunkelblauen
Rippstrickpulli, unter dem ein kleines Stück weißes
T-Shirt zu sehen ist Und sein Gesicht wird ernst, wenn er über
ernste Dinge redet.
Er denke viel über Schein und Sein nach, gibt er zu. Über
Wahrheit und ihre Darstellungsformen. Uber Verpackung und Inhalt
eines Starlebens. Vielleicht ist ja das das Geheimnis des George
Clooney: Er hat sich von seinem Schicksal, richtig gut auszusehen,
nicht seinen Weg diktieren lassen.
Er hat Widerstand geleistet. Er wollte kein schöner Dummhans
werden. Stattdessen lebt er jetzt ein Leben für den Film.
Frauen finden da im Moment keinen festen Platz. Beziehungen brauchen
Zeit, und die hat er gerade nicht übrig. Wenn er mal kurz
Pause macht, lädt er Freunde zum Barbecue in die "Casa
Clooney",
Auf Premierenfeiern lässt er sich gern von seinen Eltern
begleiten. Viel mehr emotionale Idylle scheint George Clooney
zurzeit nicht zu brauchen. Und außerdem gibt es da ja auch
noch seinen Bruder im Geiste - Steven Soderbergh, "Stimmt,
wir halten uns gegenseitig fest. Wir glauben beide an das Filmemachen.
Und wenn man unsere Karrieren betrachtet, haben wir gerade eine
gute Zeit Da die nicht ewig dauern wird, müssen wir jetzt
hart arbeiten."
Und ihr Ziel? "Wir versuchen, die Grenzen des Filmemachens
zurückdrängen. Dahin, wo sie unserer Meinung nach hingehören,
wo sie in den 60er- und 70er-Jahren waren - in der letzten großen
Filmemacherzeit Amerikas."
George Clooney kann nicht so viel dafür, dass er ein richtig
guter Typ ist. Aber er kann etwas dafür, dass er sich vom
TV-Pin-up zu einem wichtigen Mann in Hollywood entwickelt hat,
"Wenn ich morgen von einem Lastwagen überfahren werde,
könnte man sagen, dass ich eine ganze Menge erledigt habe
in meinen 41 Jahren. Und der Gedanke gefällt mir."
Von: MELANIE KUNZE für ELLE Magazin, Ausgabe Mai 2003 |