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Der bewundernswerte Clooney
Neben seiner dauerhaften Schwäche für
derbe Scherze ist George Clooney ein Mann mit tiefgründigen
Gedanken. In seiner neuen Villa am Comer See, wo er sich bis jetzt
mit Dieben, MMS-Handy bewaffneten weibliches Fans und Paparazzi
herumschlagen musste, trifft er sich zum Interview mit Ned Zerman
und spricht über seine Dating-Schwierigkeiten, seine Partnerschaft
mit Steven Soderbergh und über "Intolerable Cruelty",
dem neuesten Film, in dem er an der Seite von Catherine Zeta-Jones
zu sehen ist.
Italien braucht gute Anführer. Das Land leidet
unter einem Ministerpräsidenten, dem außerordentlich
unbeliebten Silvio Berlusconi, der neulich einem Deutschen Europaparlamentarier
vorschlug, als Hauptbesetzung in einem Film über Konzentrationslager
mitzuspielen, es dann herunterspielte mit dem Hinweis "Italien
macht gerne Holocaust Witze". Dieser sich kürzlich ereignende
Skandal fand statt, als Berlusconi gerade den Comer See besuchte,
ein wundervoller Landstrich zwischen Mailand und Sankt Moritz.
Aber in Italien gehören die Fehltritte der Politiker mittlerweile
zum Alltag und so kam es es, dass eine Traube von Fotografen den
Berlusconi einfach links liegen ließ, weil sie hörten,
dass ein gewisser George Clooney ganz in der Nähe sei in
seinem Minivan, getrockneten Schinken essend mit einem Supermodel.
Es stellte sich heraus, dass die Details der Nachricht ein wenig
fernab der Realität waren. Die Sache mit Clooney war schon
richtig, auch die Sache mit dem Minivan. Aber da gab es keinen
getrockneten Schinken geschweige denn ein Supermodel: es waren
nur Clooney und sein Fahrer, Giovanni, ein sehr muskulöser
Römer, den Clooney "Gio" nennt. Gio trägt
gerne dunkle Sonnenbrillen und seine Oberarme haben den Durchmesser
von Gürteltieren. Er spricht selten. Und wenn er das tut,
kann man ihn kaum hören, was seine Autorität nur unterstreicht.
In Italien sind George und er fast immer zusammen unterwegs. "Wir
haben eine Beziehung entwickelt, nicht wahr, Gio?" sagt Clooney
zwinkernd. "Siehst Du, wie intensiv diese Beziehung mitlerweile
ist? Was Gio will, bekommt er auch. Das ist alles, was ich dazu
sage."
Letztes Jahr in Rom fanden Clooney und Gio einen Abend ca. 10
Paparazzi hinter sich, allesamt auf Motorrädern. Es fing
an mit 10 Paparazzi, dann wurden es 12. Clooney versteckte sich
auf dem Boden des Autos und Gio schmierte flugs die Straße
zum den Piazza della Repubblica mit einer schmierigen Flüssigkeit
ein [damit die nachfolgenden Vespas ausrutschen], Gemüsewagen
und [verärgerte] faustschwingende Fußgänger
hinter sich lassend. "An diesem Punkt war es echt urkomisch",
sagt Clooney, " immer, wenn man zurückblickte, war da
ein neuer Paparazzo. Es war wie in einem Preston Sturges Film".
Diese Anspielung ist sehr passend im Hinblick auf Clooney's bald
erscheinende Komödie "Intolerable Cruelty" mit
Catherine Zeta-Jones, die an die 40er Jahre screwball und Verwechslungskomödien
erinnert. Die Coen Brüder haben sie geschrieben und Regie
geführt.
Dass ein umgänglicher Hollywood Schauspieler, der in Kentucky
geboren wurde, in Italien die meist bekannteste Person wird, sagt
ein bisschen über Italien aus und eine Menge über Clooney,
der kein Italiener ist, kein Italienisch spricht und nur in den
Sommermonaten dort lebt; der sich selten in der Öffentlichkeit
zeigt und lieber in seiner 15 Schlafzimmer-großen Villa
am Comer See bleibt. Er würde gerne öfters ausgehen,
aber er kann nicht: wann immer er es versucht, ist es wie ein
Volksaufstand. Gerade neulich hat ein Paparazzo ein Loch in seinen
Zaun [der Villa] gehaun, durchgelinst und Bilder von
ihm in seinem Pool gemacht.
Und dann gibt es da noch diese lästigen MMS-Picture Handys.
"Neulich war ich aus zu einem Dinner und dann kommt da dieses
Mädchen auf mich zu und fragt 'Kann ich einen Kuss haben?'.
Sie beugt sich vor, gibt mir einen Kuss und später geh ich
wieder nach Hause und sehe das Foto im Fernsehen. Da ist doch
krank". Und das meint er durchaus doppeldeutig. " Ich
sag dir, was als nächstes passiert, was das Furchterregendste
überhaupt ist. Irgendjemand wird eine dieser lippenstiftgroßen
Kameras in deinem Hotelzimmer direkt auf dem Fernseher verstecken.
Genau dann, wenn Du den Pronokanal eingestellt hast - und schwupps
ist das Bild im Internet. Das ist die nächste Stufe!"
Clooney verbrachte die letzte Nacht in Rom im luxuriösen
St. Regis Grand Hotel, wo er sich mit Regisseur Steven Soderbergh
traf und sie besprachen ein Script bis 5:30 morgens. Das ist jetzt
4 Stunden her und du würdest es nicht bemerken. Clooney ist
kein Langschläfer. Nachdem er Steven verließ, lag er
wach in seinem Bett und wälzte sich in sorgenvollen Gedanken
über einen Plotpunkt im 3. Akt von Ocean's 12, dem Nachfolgefilm
von O11.
Die nächste Sache, die er tat, war es, seine Clooney typischen
Khakihosen anzuziehen, ein schwarzes T-Shirt, weiße Nike
Turnschuhe, er schaffte es nicht, sich zu rasieren. Dann wurde
er von Gio durch die überfüllte Hotel-Lobby eskortiert,
wo Clooney wundersam anzuschaun war: die Schultern nach vorne,
den Kopf gesenkt, die Augen leer nach vorne gerichtet und die
Ohren zu. [Nach dem Motto "Augen zu und durch" -
die Red.]. Die Ohren sind der Schlüssel. "Das Erste,
was du tust, ist dir vorzumachen, dass du nichts hören kannst.
Manchmal mache ich mir vor, taub zu sein. Du gehst da lang und
hörst 'George!'. Du gehst einfach weiter und deine Freunde
ebenso. Manche Fans beginnen zu denken, dass sie gar nicht existieren.
Sie kreischen aber - keiner reagiert auf sie. Aber sich taub zu
stellen bringt dir einen kurzen Moment der Flucht. Denn die Wahrheit
ist, es ist einfach nur peinlich.
Die letzten Worte sind 100% Clooney, der dazu neigt, sich in
kurzen, prägnanten, gut durchdachten Sätzen zu äußern.
Er klingt ein bisschen nach Johnnie Walker Black, auch am Morgen
und seine Botschaft ist eine sich die Waage haltende Mitteilung
aus Missachtung und Ehrerbietung, was ihm ermöglicht, alles
zu sagen, was er möchte - ohne dabei undankbar zu klingen.
Als Beweis diese Pointe: "Als ich nach Italien kam für
die Ocean's Eleven Tour, wurde mir eine Sache sofort klar. Ich
habe keine Einsicht drüber, wie es ist, so berühmt wie
Brad Pitt zu sei. Ich meine, kein Verständnis. Die Fans benutzten
mich wie eine Trittbrettstufe, um an Brad heranzukommen. Giovanni
war mit uns da und wir gingen durch den Flughafen und die Fans
riefen 'George!'. Und ich rief: "Hey Leute - Brad Pitt!"
Und die Fanmenge rief 'Brad Pitt!' und schwupps waren sie hinter
Brad her, der sich nur trocken bedankte und sich flugs rennend
aus dem Staub machte".
Von den vielen derben Scherzen, die man von Clooney kennt und
die er die letzten Jahre hindurch machte, blieb einer besonders
in Erinnerung - der mit seinem Freund Richad Kind und dem Katzenklo.
("Ihr müsst ihn unbedingt danach fragen", sagte
Sam Rockell, der in Clooney's Regiedebüt "Confessions"
die Hauptrolle spielte.) Kind, den man aus der Serie "Spin
City" kennt, ist ein sehr enger Freund von Clooney und gehört
zu der berüchtigten 'Clooney-Gang'. Es begab sich, das Kind's
Katze anscheinend wochenlang das Katzenklo überhaupt nicht
benutzte. Kind gab der Katze dann ein Abführmittel, weil
er sich Sorgen machte, die kleine Kitty habe Verstopfung. Einen
Tag später lag ein riesengroßer Scheißhaufen
im Katzenklo. Wie sich herausstellte, war es einer von George
und die Katze hatte nie Verstopfung.
Erst kürzlich hinterließ einer von Clooney’s Freunden – nennen
wir ihn “Frank”, Clooney eine Mailboxnachricht: “Hier ist Frank,
es ist 8 Uhr und ich mag Huhn. I mag es einfach!“ [wobei hier
das englische Wort 'cock' im Originaltext auch was anderes heißen
könnte... - die Red.]. Das war kurz bevor Frank, Clooney
und ein paar andere Freunde ihren Urlaub auf Hawaii im Kona Village
Resort verbrachten, wo sie untereinander ausmachten, die ganze
Woche über nicht ihre Mailbox abzurufen. In der Zwischenzeit machte
sich Clooney daran, den Code zu Frank’s Mailbox zu knacken und
seine Begrüßungsnachricht zu ändern, indem er oben genannte Nachricht
einspielte. Eine Woche später, als sie alle am Flughafen auf dem
Weg nach Hause waren, sah Clooney, wie Frank am Telefon lautstark
seinen Assistenten anbrüllte :“Gib mir den verdammten Mailboxcode!“.
Und dann, von Panik gezeichnet, hörte Frank die eingegangenen
Nachrichten ab, darunter auch eine von seiner Mutter, die sagte,
so eine seltsame Begrüssungsansage hätte sie schon lange nicht
mehr gehört und sich schwer wunderte.
Clooney erzählt uns die Geschichte auf dem halben Weg von Rom
zum Comer See. Die Fahrt dauert insgesamt 6 Stunden und Gio fährt
durchschnittlich 400 Meilen/Stunde und hält nur, um Benzin zu
tanken und Panini-Baguettes zu kaufen, die man in Italien an jeder
Tankstelle erwerben kann. Clooney beantwortet die ganze Fahrt
über Fragen – zwischendurch gibt’s nur eine kleine Pinkelpause.
Seine Ausdauer ist schier grenzenlos.
Und noch eine Geschichte: während des Drehs zu ‘Ocean’s Eleven’
freundete er sich mit einem Teenager namens Cindy an, die durch
Charity Organisation mit ihm in Kontakt kam. Die Charity Organisation
stellt Telefon-Kontakte zwischen Prominenten und unheilbar kranken
Kindern her. Cindy litt an unheilbarem Bauchspeicheldrüsenkrebs,
wurde von ihren Eltern verbannt und lebte seitdem in einem Heim,
wo sie zu allem Überfluss auch noch vergewaltigt wurde. [echt
glaubwürdige Story, darfs ein bisschen mehr sein? - die Red.]
Clooney sprach mit ihr jede Nacht über mehrere Wochen hinweg.
„Ich kann nicht atmen“, sagte sie zu ihm, „Sie sagen mir, wenn
ich einschlafe, werde ich sterben.“
Monatelang stand Cindy auf der Kippe zum Tod. Eines Tages rief
Clooney Cindys Adoptivmutter namens Kris an, um mit besagter Cindy
zu sprechen. Aber Kris sagte, Cindy wäre zu krank, um ans
Telefon zu kommen. Ab diesem Zeitpunkt bekam Clooney Zweifel und
hatte einen unerschütterlichen Verdacht.
Er verlangte nach einem Foto. Das Bild, das bei ihm eintraf,
war sehr unscharf, aber man konnte eine 100 Kilo schwere Frau
in den Mittvierzigern erkennen, die ein Ocean’s Eleven Baseball-Cappi
trug, dass er Cindy geschickt hatte. [Cindy selbst allerdings
war ein Kind und keine 40 Jahre alt.] Um diese Täuschung endlich
aufzuheben, in die die "Mutter" - die sich als Cindy
ausgab - ihn verwickelt hatte, bot er an, Cindy persönlich zu
besuchen mit einem Jet der Warner Brothers Firma, mit Brad Pitt
und Matt Damon dabei an Bord. Dieses Angebot wurde von Kris überschwänglich
angenommen. Als Clooney die ganze Geschichte Noah Wyle [Schauspieler
des Dr. Carter aus Emergency Room - die Red.] erzählte, kam
ein Assistent auf die beiden zu und sagte skeptisch:“ Ratet mal,
wer gerade gestorben ist?“
Zu diesem Zeitpunkt war klar, das alles nur ein Fake war. [Der
Schwindel flog langsam aber sicher auf.] Das Heim hatte keine
Daten von der angeblich zu Tode siechenden Cindy. Clooney rief
Kris an, aber die Schwester von Kris ging ans Telefon. Er fragte
nach Kris persönlich und sie kam an den Hörer. „Hast du mir vorgemacht,
du wärst Cindy?“ fragte er sie. Die angebliche Mutter rastete
völlig aus und schrie Zeter und Mordio. „Gib mir deine Schwester
zurück an den Apparat und rede mit mir, während sie am Telefon
ist“ sagte Clooney. „Ich lass mir von Dir gar nichts sagen!“ protestierte
Kris. „Gib mir deine verdammte Schwester!“ Clooney hatte kurz
den Verdacht, dass seine Freunde ihm einen üblen Scherz spielen
würden. Aber so war es nicht.
Direkt am nächsten Tag bekam er per Post ein Foto von „Cindys“
Sarg. [wie geschmacklos - besuchen solche Leute auch meine
Seite und holen sich Infos?!? Ih bäh! - die Red.]
Ab hier könnte man meinen, dass Clooney über diesen üblen Scherz
hinweg total verbittert sei, aber er ist es nicht. „Du hast nur
eine gewisse Zeitspanne zum Leben.“sagt er, „Die meisten Leute
leben für das Wochenende oder einen 2-wöchigen Urlaub. [Hm
- irgendwas mache ich falsch.. - die Red.] Ich tue, was ich
tun möchte, wissen Sie? Ich gehe jeden Tag zur Arbeit und ich
liebe es. [Ja toll, DU bekommst 18 Millionen dafür -
ich nich...maul! - die Red.] Da habe ich richtig Glück gehabt.
Und es ist eine großartige Sache“. Und er bestätigt:”Das Geld
ist natürlich klasse. Ich genieße es, Geld zu haben. Die Tatsache,
dass ich mir keine Sorgen um Geld machen muss, ist ein glücklicher
Zustand.“ [Wohl war...seufz. - die Red.]
“Es ist lustig”, sagt er – „Du rennst
so schnell Du kannst ins Rampenlicht. Wie eine Motte zum Licht
und du kannst nicht abschätzen, was passiert oder weit genug
vorausdenken, um sagen zu können, was passiert. Aber das
Witzigste ist, keiner will von Dir hören, dass Du auf dem
Weg nach oben bist. Nun, es gibt einige Schwierigkeiten auf dem
Weg dahin – und mit Verlaub gesagt, so was ist auch fair.
Ich hab das auch schon mitgemacht. Ich sage das gewöhnlich
über 'Batman’. Das Problem mit [dem Charakter] Batman
ist, dass keiner hören will, dass es ihm schlecht geht. Aber
es geht ihm immer schlecht. Aber die Leute wollen das nicht hören
und sagen 'Hey, du hast ein großes Haus, du fährst
das coolste Auto, du hast all die tollen technischen Batman-Extra-Goodies
und Du gehst mit den hübschesten Frauen aus!’.“
Clooney zuckt nur mit den Schultern. Keiner will dich jammern
hören.
Das Clooney einmal den Batman spielte in der 1997er Verfilmung
‘Batman & Robin’, sollte die Leute nicht denken
lassen, er SEI Batman - wieder einer von den Hollywood Einsiedlerkrebsen,
der einsam durch sein Riesenhaus streift. Einsam und traurig.
Er geht gerne aus, ist gesellig und bezeichnete sich selbst mal
als „Professionellen Trinker“. Er geht regelmäßig
ins „Dan
Tana“, ein angesagtes Steak House in L.A.
Er hatte ein Date nach dem anderen mit hübschen Frauen:
das Model Vendela, Reneé Zellweger, Céline Balitran.
(Und vor Jahren war er mal verheiratet mit Talia Balsam, die Tochter
des Schauspielers Martin Balsam.) Er ist also selten allein. Diese
Woche hatte er 15 Freunde und Verwandte zu sich eingeladen in
seine Villa am Comer See, ein 3-stöckiges Haus mit einem
eigenen Kinoraum, einem Fitness-Raum, mit einem Pool und 4 fetten
Enten, die sich so an das gute Essen gewöhnt haben, was sie
ab und zu bekommen, dass diese Enten sogar ins Haus watscheln,
die Treppe hoch bis rein in sein Schlafzimmer und dort nach mehr
Futter schnattern. „Wie die Sopranos“
sagt Clooney.
“Sopranos”, sagt Gio nickend, “Genau.”
„vor ein paar Tagen erschienen die Enten nicht mehr. Wir
waren ein wenig besorgt“, sagt Clooney „Wir denken,
sie sind jetzt wahrscheinlich in einem Zeugenschutzprogramm.“
Clooney entdeckte die Villa per Zufall vor ca. 2 Jahren, als
er auf einem Motorrad-Trip durch Italien unterwegs war mit seinen
Kumpeln. Unter ihnen war auch der Nachtklub-Besitzer Rande Gerber,
der zu ihm sagte: „Kannst Du dir vorstellen, in diesem Haus zu
leben?“ Im darauffolgenden Jahr unterbreiteten ihm die Besitzer
das Haus zu einem Angebot, das weit unter 25 Millionen US-Dollar
lag bzw. dem Betrag, den er dachte, dass es kosten würde. „Es
hat mich einen Agenten gekostet“, scherzt er und bezieht sich
dabei auf die unschöne Geschichte mit seinem damaligen Agenten
Michael Gruber, der eine Prämie haben wollte für die Vermittlung
der Villa.
Darauf verlor Gruber beides: seinen Job bei der Creative Artists
Agency und seinen Klienten George Clooney. (Clooney achtet sehr
auf sein Geld, das lernte er von seiner Tante Rosemary Clooney,
einer berühmten Jazz-Sängerin, die sich hart abrackern musste,
um ihre Cents zu verdienen. „Sie machte jeden erdenklichen Fehler,
den du machen kannst. Wirklich jeden. Sie glaubte den Leuten,
die ihr sagten, sie sei toll. Sie gab diesen Leuten die gesamte
Vollmacht zur Vermögensverwaltung und diese Leute hatten nichts
Besseres zu tun, als ihr gesamtes Vermögen auf den Kopf zu hauen
und noch nicht mal Steuern zu zahlen. Bis zu ihrem Tode (im Juni
2002) musste sie buchstäblich jeden Tag arbeiten. Die
I.R.S. hat ihr alles genommen.“)
Das Villenleben in Italien ist für George gerade so skandalös,
was er draus macht. Er folgt dabei einem „echt zermürbendem
Tagesablauf“:
- Frühstück,
- eine Fahrt mit seinem Motorboot,
- danach die Diskussion, was es zum Mittag
geben soll.
- Mittagessen (Wein inklusive),
- schwimmen,
- danach die Diskussion, was es zum Abendessen
geben soll,
- Abendessen ( Wein inklusive),
- noch ein Film,
- dann ab ins Bett.
- Wiederholung des Ablaufs.
Die Villa di Giorgio ist so ruhig und beschaulich, aber dennoch
wurde sie schon 4 mal ausgeraubt, wenngleich auch in einer absolut
stümperhaften Art und Weise. Die Diebe interessierten sich
überhaupt nicht für Clooneys Computer [oh - hat
er dann auch Internet? - die Red.] oder seine Stereoanlage
oder den Breitwandfernseher. Nein, sie wollten unbedingt den 500
Kilo schweren Safe haben – ein Erbstück der Vorbesitzer.
Der Safe ist aber leer und zu allem Überfluss steht auf ihm
auch noch geschrieben „EXPLOSIVES“.
„Diese Idioten kamen rein, checkten die Lage und entschieden:
'Wir brauchen mindestens noch 4 Leute mehr, um diesen Safe zu
knacken.’ Es war wie in 'Ocean’s Eleven’.“
Beim 2. Einbruch füllten sie den Boden mit Schmierseife und
schoben den Safe über diese Lauge hinweg – aber auf
dem halben Weg nach draußen wurden sie entdeckt und deshalb
flohen sie. Der Safe blieb einfach an der Stelle stehen, wo sie
ihn gelassen hatten. Beim 3. Einbruch versuchten sie den Safe
über eine Art Schiebeleiste nach draußen zu bewegen
– und mussten wieder fliehen.
“Wir gingen also los, um die Polizei zu holen”, sagt
Clooney. „Aber als wir zurückkamen, hatte der Safe
eine andere Position als vorher. Das bedeutet, sie kamen ein 4.
Mal zurück. Sie haben echt alles versucht, um diesen Scheiß-Safe
zu klauen. Also haben wir eine dicke rote Schleife um diesen leeren
Safe gebunden und einen Zettel drauf geklebt, wo steht: „Kommt
und holt ihn euch – ihr Idioten!““.
Und da steht der Safe nun, in stiller Einsamkeit. Selbst die
Paparazzi haben sich verkrümelt, weil keine Fotos mehr machbar
waren, die Geld bringen würden. „Ich geh fast gar nicht
mehr aus " sagt Clooney. „Für die Europäische
Presse bin ich wie Frischfleisch. Diese Art des Wahnsinns –
da musst du richtig auf der Hut sein. Ein Dinner in einem Restaurant
ist wie eine Feuerprobe. Eine große Feuerprobe.“
Das Ergebnis davon ist, dass Hollywoods meist gefragtester Junggeselle
noch mehr Single bleibt als vorher. Für eine kurze Zeit ging
er mit einer Italienischen Frau aus, aber da Clooney kein Italienisch
spricht – und sie kein Englisch, verkümmerte diese
„Beziehung“ bereits nach dem 3. Date. „Ich hab
gemerkt, dass das nichts werden kann, als wir beide mal telefonierten,
falls man das überhaupt Telefongespräch nennen kann“,
sagt Clooney. „Sie sagte "Oh, Geoooooorge’ und
ich sagte 'Ohhh, Duuuuuuu’.
Gio lacht aus vollem Herzen.
“Ein richtiges Date zu haben ist toll”, erzählt
Clooney. „Du triffst dich zum ersten Mal und denkst Dir
'Ich bin echt ein netter Kerl’. Und anhand der Kraft dieser
Worte denkst Du dir, du kannst es auch sein. Eigentlich kannst
Du es Dir aussuchen und selbst entscheiden, ob Du ein echt netter
Kerl bist – aber dein Date weiß alles über Dich
und einiges davon ist wahr und anderes nicht. Und dadurch hast
Du ein Bündel zu tragen. Und in dem Moment, wo du anfängst,
sie zu daten, gibt es gleich wieder die Bilder und Geschichten
in der Presse nach dem Motto „Wer ist die neue Frau an seiner
Seite?“ Und das übt einen großes Druck auf jede
auch nur aufkeimende Beziehung aus. Also musst Du dich entscheiden,
ob Du diesen Druck auf dich nehmen willst, bevor Du dich mit ihr
in der Öffentlichkeit zeigst.
Meistens verläuft es dann so, dass ich dann sage „Hey,
warum bleiben wir nicht im Haus und nehmen ein paar Drinks und
lernen uns erstmal richtig kennen, bevor wir uns beide dazu entschließen,
uns dem enormen Pressedruck zu stellen’. Das macht alles
schwierig. Aber wie gesagt, ich beschwer mich ja nicht. Weil ja
keiner das von Dir hören will bzw. Dir zuhört, wenn
Du jammerst. Und ich denke, dass ist auch irgendwie gerecht.“
Als die Frage auftaucht, er solle doch mal das letzte Date beschreiben,
dass er mit einer Frau hatte, nickt Clooney nur, schaut dann aus
dem Fenster und die Frage verpufft in den blauen Italienischen
Himmel hinein.
“George Clooney kann mich mal am Arsch lecken”. Dieser Ausspruch
kommt von David.O.Russell. Russell ist der kreative und wortgewandte
Regisseur von Filmen wie „Flirting with Desaster“ und „Three Kings“,
der Film, in dem Clooney den US Army Offizier Archie Gates spielte.
Es geht um 3 Soldaten im Irak, die auf der Suche nach Saddams
Gold sind und die Wirren und Schrecken des Krieges entdecken.
Das war in 1999, ungefähr 2 Jahre, nachdem es Clooney gelang,
den Übergang vom TV Star zum Filmstar zu machen mit 2 großen Verkaufsschlagern
an den Kinokassen: „Projekt Peacemaker „und „Batman & Robin“.
„Three Kings“ war eine interessante Wahl für Clooney, und eine
gute Übung, einem Film den wahren Charakter zu geben, nachdem
er bereits die Erfahrung machte, was es heißt, hauptverantwortlich
für einen Kinoflop zu sein:
das war „Batman & Robin“, den Clooney gerne als „richtig schlechten“
Film bezeichnet. „Eine Woche, nachdem er angelaufen war, wusste
ich das. Das und die Tatsache, niemals ein hautenges Gummikostüm
mit Nippeln zu tragen. Das sind meine 2 lehrreichen Erfahrungen.“
Three Kings war nicht nur aufgrund des kreativen Plots ein Erfolg,
es war auch eine von Clooneys bisher besten schauspielerischen
Leistungen und der Film spielte über 60 Millionen US-Dollar ein.
Aber nichtsdestotrotz war es eine schlechte Erfahrung für Clooney
und Russell, die sich beide nicht riechen konnten und das scheint
immer noch so zu sein. Obwohl Clooney beide – den Film und den
Regisseur David O. Russell – als „brilliant“ bezeichnet, „kann
er es nicht die Art und Weise gutheißen, die Russell an den Tag
legte gegenüber den Crew-Mitgliedern, die der Regisseur erniedrigte
und anschrie und die noch nicht mal die Gelegenheit bekamen, sich
zu rechtfertigen. Ich geb keinen Cent auf diesen Umgang mit Kollegen
und es macht mich wahnsinnig, wenn jemand sich so verhält. Also
war es mein Job am Set, die Leute zu denunzieren, die
die Leute erniedrigten.“
“Ich werd den Teufel tun und darauf antworten” entgegnet Russell,
wenn man ihn nach diesen Vorfällen fragt. Russell betont, das
er mit den meisten am Set befreundet war (ist), z.B. Mark Wahlberg
und Spike Jonze. Clooney beschuldigt Russell des weiteren, den
politischen Ton des Drehbuchs angepasst zu haben, damit es bei
den Studios besser ankam. „Er hat mir nie etwas darüber gesagt,
die ganze Zeit über, als wir drehten,“ sagt Russell. „Ich keine
verdammte Ahnung, wovon er eigentlich spricht…Er ist also der
Superheld und ich bin der Böse, oder was? Er ist ein politisch
überkorrekter, extrem manipulierender Zeitgenosse und überhaupt
kein Künstler. Ich glaube, George gibt alles daran, immer den
good guy darzustellen. Jederzeit. Ich glaube, der will Präsident
werden.“
Dass Clooney gemocht werden möchte, ist unanfechtbar, auch von
Clooney selbst. „Ich kann mich nicht dagegen wehren“, sagt er
zu diesem Charakterzug. „Es steckt einfach in mir drin.“ Diese
unbekümmerte Selbtkritik, dieses ganze Cary Grant Image – das
entstand nicht per Zufall. Aber auf der anderen Seite kann so
etwas auch nicht einfach nur vorgetäuscht sein. „Ich denke, das
ist etwas, was er von seiner Tante Rosemary und von seinem Onkel
José Ferrer mit auf den Weg bekommen hat,“ sagt Sam Rockwell.
„Er wurde erst berühmt, als er 33 Jahre alt war, also hatte er
davor ein relativ normales Leben geführt. Er war bescheiden. Und
er musste kämpfen. Also weiß er, was es heißt, ein normaler Mensch
zu sein.“
“Die Frage ist”, sagt Clooney und er zieht eine Augenbraue hoch
und wedelt mit dem Finger Richtung Himmel: ”von wem willst Du
gemocht werden?”
“In den zwei Filmen, die ich mit den Coen Brüdern gemacht habe
und die 4 oder 5 Projekte, die ich mit Steven [Soderbergh] zusammengearbeitet
habe, gab es niemanden am Set, der seine Stimme anhob, um jemanden
zusammen zu stauchen.”, sagt Clooney. „Steven und ich haben diesen
Gedanken des „Das-Leben-ist-zu-kurz-dafür. Angenommen, jemand
sagt, ‚Hey, Herr XY will einen Film mit euch machen’, dann denken
wir uns, wenn er ein Schreihals ist am Set, dann nicht. ‚Das Leben
ist zu kurz. Wir machen das nicht. “ [Yo man, let it flow
and chill - die Red.]
Clooney liebt auch einen guten Streit, besonders wenn es mit
einem dieser schrulligen Rechtskonservativen zu tun hat. Rechtskonservative
treiben ihn in den Wahnsinn und das war schon immer so. Damals
in Kentucky waren seine Eltern die Einzigen, die für McGovern
[Demokrat] gestimmt hatten. Er nannte George W. Bush „dämlich“
und die Bush-Regierung „schlimmer als die Sopranos“. Er schaute
die Präsidentenwahl damals im Haus von Gregory Peck. „Ist das
nicht oberpeinlich?“ sagte Peck damals. Clooney protestierte stumm,
indem er sein ganzen Geld, das er in Aktien investiert hatte,
aus dem Amerikanischen Aktienmarkt zurückzog.
Er ist eine durch und durch politisch interessierte Person,
so sehr, das Soderbergh und er eine Dokumentar-artige Serie produziert
haben, die gerade auf HBO läuft („K-Street“).
Er ist sauer auf die Republikaner, die die Ereignisse des 11.
Septembers 2001 für ihre politische Macht instrumentalisieren
und er ist sauer auf die Demokraten, die das zulassen. „Patriotismus
ist eine gefährliche Sache“, sagt Clooney, „Es ist toll, wenn
es einen positiven Aspekt besitzt. Ich bin ein Patriot. Ich glaube
an mein Land…. aber wir dürfen nie vergessen, dass wir aufgrund
von Patriotismus bereits große Fehler begangen haben, Fehler unter
dem Deckmantel des Patriotismus - umgeben von Angst. Zuerst waren
es die bösen Russen mit der Atombombe. Jetzt ist es Terrorismus.
Das ist das Gleiche.“
Clooney stand schon immer im Rampenlicht. Sein Vater, Nick, ist
eine berühmte TV-Persönlichkeit in Cincinnati, und im Moment realisiert
er sogar ein Filmprojekt, dass das Leben von Edward R. Murrow
portraitiert, den er gerne in Bezug auf seinen ständigen Partner
zitiert: Die Medien. Auf diese Weise ist er lustig. Jahrelang
hat er Medienunternehmen boycottiert, die Paparazzi-Material veröffentlichten.
Und er würde es wieder tun und diese Art der Presse kritisieren,
wenn in wieder eine solche Art der Publikation zur Weißglut
bringt.
Vor drei Jahren zum Beispiel berichtete die "Elle", das ein "Star"
aus Terrence Malicks "The Thin Red Line" (Der Schmale Grat) gerne
an den Achselhöhlen seiner Verehrerinnen riecht, was sogar stimmt.
Dummerweise nannte die Redaktion den Artikel "Verabrede dich nicht
mit George Clooney." Clooney stellt sehr viel dar, unter anderem
einen Charakter in "The Thin Red Line", aber er ist kein Achsel-Schnüffler
eine Tatsache, die er der Redaktion von "Elle" unmissverständlich
beibrachte. Nach alldem sagte der im Artikel angesprochene Kerl
zu dem Journalisten Sachen wie "Ich fahre die 405er nie Richtung
Osten entlang." oder den "San Diego Freeway", in Anspielung auf
eine weniger angesagte Gegend in L.A. - aber Clooney ist nicht
so hochnäsig.
"Ich ging mit einem der Schauspieler aus dem Film essen." sagt
Clooney. "Wir waren im "Mr. Chow's" und unterhielten uns, nach
dem Motto: " 'Wer ist bloß dieser Kerl aus dem ELLE Artikel?'
Wir kamen zu dem Entschluss, dass es wohl dieser EINE Schauspieler
sei. Der MÜSSTE es ein, da waren wir uns einig. Dann hab ich zu
meiner Begleitung gesagt, 'Komm, lass uns noch was trinken gehn."
Wir gehen also zu "Jones" (einer Bar in West Hollywood) und er
kommt mit. Als er aus dem Taxi steigt, sagt er spontan: 'Ich kann
nicht glauben, dass ich dir hierher gefolgt bin. Ich fahre die
405er nie Richtung Osten entlang.' Und hab mich zu ihm umgedreht
und ihn angemault: "Du Wichser! Du schleimiger, schmieriger
achselhöhlenschnüffelnder Wichser!"
Wenn ihm etwas wirklich auf die Nerven geht, schreibt er Briefe.
Er ist ein hartnäckiger Briefschreiber und sogar gut darin. Selten
sträubt er sich gegen professionelle Kritik. Das ist gerecht und
in Ordnung und gehört zum Deal, meint er. Aber alles, das zu sehr
in Richtung Privatleben geht oder seine Integrität hinterfragt,
lässt ihn aus der Haut fahren ein Phänomen, das dieses Jahr
schon einmal auftrat, nämlich als bestimmte Kritiker seinen Film
"Confessions of a Dangerous Mind", geschrieben vom unschlagbaren
Charlie Kaufman und basierend auf den "Erinnerungen" des Gong-Show
Gastgebers Chuck Barris, der behauptet, ein CIA Auftragskiller
gewesen zu sein, niedermachten.
Für einen "Wütenden Sch***kerl." hält Clooney den Los Angeles
Times Kritiker Kenneth Turan. "Er hat Confessions einfach zerstört.
Das war eine persönliche Attacke. Wirklich brutal." Und dann gab
es noch den Washington Post Kritiker Stephen Hunter, der, obwohl
er von den Ausflügen in non-linear sensible Phasen beeindruckt
war, schrieb:"Der Abspann sagt George Clooney, aber der Film Stephen
Soderbergh.. Es ist die Geschichte über einen Mann, der gar nicht
dabei war und einem Regisseur, für den das gleiche gilt.
Clooney blieb nicht untätig. "Natürlich sind ein paar Sachen
von Steven dabei, das kann ich bestätigen." Außerdem lieh sich
Clooney einen Übergang von "The Parallax View", einem Thriller
aus dem Jahr 1974 unter der Regie von Alan J. Pakula. "Es ist
viel von den Coen-Brüdern drinnen und ich habe Briefe an Mike
Nichols und Sidney Lumet geschickt und mich entschuldigt, direkt
von ihnen gestohlen zu haben. Also hab ich eigentlich von jedem
gestohlen. Dieses übersättigte Aussehen, von dem Hunter behauptet,
ich hätte es aus "Traffic", nunja, stammt eigentlich aus "Three
Kings." Er grinst. "Also von David O. Russel."
Und fix wurde wieder ein Brief geschrieben, gespickt mit Clooney-typischen
Wortspitzen wobei besonders die Schlussformulierung ins Auge fiel
"Ein Brief geschrieben von Steven Soderbergh".
"Der Artikel ist aufgrund vieler Tatsachen nicht wahr." sagt
Soderbergh. "Es ist nicht im Entferntesten wahr ich war einmal
am Set, für 20 Minuten, und sonst hatte ich alle Hände voll zu
tun, meine eigenen Filme zu drehen. Diese ganzen Behauptungen
stimmen nicht, schon allein aus dem Grund, dass dies nicht meine
Art ist, als Produzent tätig zu sein. Und es zeigt doch mal wieder
das Leute, die über das Filmgeschäft schreiben, keine Ahnung haben
wie es wirklich läuft.
In jeder Hinsicht hat sich das Clooney-Soderbergh Team zu einer
von Holleywoods besten Partnerschaft entwickelt, die einzige,
die einen A-Listen Schauspieler und einen A-Listen Regisseur vereint.
Man muss jedoch anmerken, dass dies noch nicht so klar war, als
sie das erste Mal 1998 in Out of Sight zusammenarbeiteten. Einer
gut gelungenen Buchverfilmung vom Autor Elmor Leonard, die seltsamerweise
an den Kinokassen eher so vor sich hindümpelte - genau wie
Soderbergh's Film aus den 90ern: "The Limey".
Clooney, der immer noch schmerzliche Erinnerungen an "The Peacemaker"
und "Batman & Robin" hatte, sagte zu Soderbergh: "Weißt du, du
und ich, wir sind jeder 600 Pfund Gorillas. Aber zusammen sind
wir größer als ein 800 Pfund Gorilla und können sie mit Mist zwangsernähren."
Mit "Mist" meint er außergewöhnliche Ideen, mit "sie" die Studio-Bosse.
"Kann schon sein." antwortete Soderbergh.
Soderberghs nächsten zwei Filme waren "Erin Brockovich" und "Traffic",
die beide zusammen $250 Millionen einspielten und ihm eine zweifache
Oskarnominierung als bester Regisseur einbrachten, von denen er
den für "Traffic" gewann. In der Zwischenzeit hatte Clooney endlich
einen "echten" Film gedreht, "The Perfect Storm". Der Überraschungserfolg
spielte $180 Millionen ein und brachte die Bosse von "Warner Bros."
dazu, Toasts auf seine Sagenhaftigkeit auszusprechen. "In Wahrheit
handelt dieser Film über eine Welle." sagt Clooney, "aber seitdem
ich solchen Mist wie "Batman & Robin" gemacht habe, übernehm ich
für alles die Verantwortung. Ich find das nur fair."
Als Clooney und Soderbergh 2001 am enorm erfolgreichen "Ocean's
Eleven" wieder zusammenarbeiteten, waren die Studios für jede
Idee offen. Es gab zwar vorher schon genügend Möglichkeiten, aber
Warner Bros. hatte einfach zu viel Zeit mit guten, aber unerfahrenen
Regisseuren verbracht. Wie z.B. mit Todd Hayness "Far From Heaven"
und Christopher Nolans "Insomnia". [beide produziert von Section
Eight - die Red.] Clooney behauptet, er habe "Aufhören müssen
zu denken." als er anfing Filme zu produzieren. "Hey, ich hab
den Job bekommen und hab angefangen zu grübeln. Ich lernte, dass
ich für die Filme, die ich drehe, verantwortlich bin. Also sagte
ich mir: Ok, ich kann nicht weiter auf Pressekonferenzen gehen
und sagen 'Das ist der größte Film, den ich je gesehen habe."
Eines Tages gehen einem einfach die Ideen aus." Er lehnte verschiedene
große Filmangebote ab (im $15 - $20 Millionen Bereich), obwohl
einige Verehrer genauso hartnäckig waren wie Actionfilm-Produzent
Joel Silver, der unbedingt wollte, dass Clooney in seinem neuen,
2001 Techno-Thriller "Swordfish" mitspielte. Während Clooney in
Saint Tropez Urlaub machte, verfolgte Silver ihn mit einem Schlauchboot,
schreiend: "18 Millionen für 8 Wochen Arbeit!!!"
Dann kam Solaris:
Öffentliche Bekanntmachung: Mir gefiel Solaris. ("Du bist der
Mann!" schreit Soderbergh.) Nachdem das jetzt gesagt ist, muss
ich - wie die meisten der vielen Dutzend andere Kinobesucher die
Eintritt gezahlt haben - zugeben, dass ich nur eine wage Ahnung
habe, worüber Solaris handelt. Ein Psychologe fährt mit einer
Raumstation ins All und trifft dort seine tote Frau, was ihm einige
Probleme bereitet. Beinahe jeder fand den Film schwerfällig und
langatmig und das Ganze floppte. Der Film spielte nur $15 Millionen
ein ein Drittel der Produktionskosten.
Ursprünglich wollte Soderbergh, dass Daniel DayLewis die Hauptrolle
in Solaris spielt, aber der lehnte ab. Clooney fragte an, schriftlich
natürlich, ob er die Rolle bekommen könnte. Schon in Traffic lehnten
Harrison Ford und Kevin Costner die Rolle des Drogenzars ab, die
dann an Michael Douglas ging, was sich als weise Entscheidung
entpuppte. Also wendete sich Soderbergh Clooney zu. "Verdammt
nochmal." meinte Clooney "Ich bin 15 Jahre zu jung um das zu tun."
Daraufhin Soderbergh: "Jeder denkt, dass du 50 bist." (Was stimmt,
heutzutage ist Clooney der einzige große Holleywood-Star der im
Film generell Charaktere spielt, die älter sind als er. "Er ist
ein Erwachsener." sagt Regisseur Todd Haynes. "In unserer Branche
geht ein wahrer Jugendwahn um, vielleicht sogar in unserer ganzen
Kultur. Jeder sträubt sich älter und reifer zu werden. Er nicht."
Solaris erschien gleichzeitig mit "Confessions of a Dangerous
Mind" in den Weihnachtswochen, was dazu führte, dass man zu Weihnachten
von Section Eight Produktionen überhäuft wurde. Doch obwohl beide
Filme nicht sehr erfolgreiche waren, halten Clooney und Soderbergh
trotzdem zu ihrer Arbeit. "Keiner von uns war daran gewöhnt, dass
die Leute nicht mochten, was wir taten." meint Soderbergh. "Aber
in 10 Jahren werden wir beide stolz darauf sein, sie gemacht zu
haben. Sie sind zwar ästhetisch ungewöhnlich und kompromisslos,
aber andererseits ist das besser, als sinnlos Platz in den Regalen
zu verschwenden. Und über Clooney sagt Soderbergh: "Keiner der
Charakter, die er spielt, schafft es, seinen innewohnenden Charme
zu unterdrücken. Und die wirklich gute Nachricht: Er kann nicht
still sitzen."
"Wenn ich mich durchsetzen und diese Filme machen kann, dann
gewinne ich." meint Clooney. "Wie viel Geld kostet es denn letztlich?"
Er verbrachte fast zwei Jahre mit der Arbeit an "Confessions of
a Dangerous Mind", den er schnitt, als er Solaris und die neue
Komödie der Coen-Brüder "Intolerable Cruelty" gleichzeitig drehte.
Kein Wunder also, dass sein Charakter in Solaris so müde aussieht.
Manchmal mimte er tagsüber den hoffnungslosen Astronauten, schälte
sich aus seinem Raumanzug, rannte über das Gelände der Warner
Bros., stürmte in einen der Schnitträume, arbeitete bis in die
Nacht, rief das todkranke Mädchen an, das gar nicht krank und
auch kein Mädchen war, schlief eine Runde, wachte auf und rannte
zum Set um einen oberflächlichen, unnachgiebigen, zähnebleckenden
Scheidungsanwalt zu spielen.
Und dann, und das ist etwas was die Studios nie erfassen konnten
und gleichzeitig Clooneys größte Gabe ist, macht er wieder Scherze.
Man muss ihn nur fragen, ob er jemals einen seiner Lieblingsfilme,
Lumets "12 Angry Man" neu verfilmen würde, und schon gehts los.
"Man muss sich in diese Zeit zurückversetzen." meint er "und einfach
ein bisschen herumprobieren." "Man muss ein bisschen Jeopardy
spielen." kommt die Antwort. "Man macht das wie in "Snake Eyes"
und lässt einen Hurrikan aufkommen." "Die Uhr würde ticken." "Und
jemand würde einen Herzanfall bekommen." "Jemand würde ein Baby
bekommen." "Es würden Frauen drin vorkommen, also wären es dann
12 wütende Leute." "12 wütende Personen." "Und sie könnten gar
nicht wütend sein.. Sie würden traurig sein. 12 hin und her gerissene
Personen."
Hält man sich "Out of Sight", "Ocean's Eleven" und "O Brother
Where Art Though" der Coen-Brothers vor Augen, stellt man fest,
dass Clooney schon immer ein ausgesprochener Komiker war. In "O
Brother Where Art Thou" spielt er den eitlen, extrem dämlichen
Gefängnisausbrecher Ulysses Everett McGill, der sich Pomade in
die Haare schmiert und andauernd schreit: "Wir sitzen in der Falle!".
Also einen der größten Idioten-Könige, gleich zu setzen mit Tim
Robbin's "Norville Barnes" (in "The Hudsucker Proxy" von 1994)
und Nicolas Cage's "H. L. McDonnough" (in "Raising Arizona" aus
dem Jahr 1987=>"Arizona Junior" im Deutschen). "Was
das großartige an George ist, und was ihn von allen anderen Stars
unterscheidet, ist das er keine Angst davor hat, den Hanswurst
zu spielen.
Clooneys neuester Film stammt diesmal von Joel Coen, obwohl es
auch Ethan sein könnte, man weiss das nie so genau. Wie auch immer,
beide bestätigen, dass es Clooney war, der sie überredete "Intolerable
Cruelty" zu realisieren, in welchem sich Clooney's Charakter eines
gerissenen Scheidungsanwalts und Cahterine Zeta-Jones Charakter
einer gerissene Ex-Ehefrau ineinander verlieben. "Es ist eine
kranke, schwarze Komödie." meint Zeta-Jones. "Der Film macht mir
ein bisschen Angst." sagt Clooney über seine Arbeit. "Das könnte
wirklich schlimm ausgehen. Die Sache ist die: Wenn man das Drehbuch
liest, dann kann man einfach nicht anders, man muss zusagen. Nun
kann man Glück haben oder auch nicht. Mit "O Brother Where Art
Thou" lief das wirklich gut, worauf ich stolz bin. Ich glaube,
wenn dieser Film funktioniert, dann ganz großartig. Aber ein bisschen
angsteinflößend ist es schon, das muss ich zugeben."
"Ich habe gehört, dass George ein bisschen nervös wegen seines
Charakters war." sagt Joel/Ethan lachend. "Ich glaub allerdings
nicht, dass er zu weit gegangen ist. Er hat perfekt das Mittelmaß
getroffen. George versteht einfach schnell was eine Rolle von
ihm verlangt und eignet sich sofort jede Einzelheit des Verhaltens
eines richtigen Hanswursts an. Er verinnerlicht das einfach. Ich
weiß nicht, ob ihm diese Fähigkeit bewusst ist, aber er kann es."
Trotzdem muss man sich um Clooney keine Sorgen machen. Er und
Soderbergh haben schon wieder alle Hände voll mit ihren nächsten
Projekten zu tun. Neben "K Street" ist ein Film namens "Leathernecks"
sowie "The Good German", ein Vorkriegs-Thriller, und natürlich
zu guter letzt "Ocean's Twelve", indem sich die gesamte Besetzung
erneut vereint um wieder auf Raubzug zu gehen, in Planung. In
der Zwischenzeit muss Clooney seine Gäste unterhalten, unter ihnen
der örtliche Bürgermeister, den er dazu überzeugen will, eine
Brücke in der Nähe seiner Villa zu bauen. "Ich nehm ihn mit nach
Mailand und schau mal, wie das ganze läuft." meint er scherzend.
"Wir füllen ihn ein bisschen ab und bringen ihn dazu, etwas zu
unterschreiben."
Er schaut in Gios Richtung "Wir könnten ein paar Bilder mit
ein paar heißen Mädchen machen. Paparazzi-mäßig. Oh, da lässt
sich was draus machen." "Er zeigt auf die "Villa d'Este", das
palast-ähnliche Hotel am Comer See. "Dort unten ist der Pool.
Nebenbei, mit sehr schönen Frauen." Er zuckt mit den Schultern.
"Ich sag das nur so."
Clooney winkt zum Abschied und Gio gibt Gas. Tage später höre
ich folgendes auf meinem Kassettenrecorder: "Das ist eine Nachricht
für denjenigen, der das hier anhört. Ähm, Ned ist gerade ins Badezimmer
gegangen. Wir sind ungefähr zwei Stunden von Mailand entfernt
und er hat ganz schön was intus. Und ich glaube, er hat ein Problem.
Ich glaube einfach, dass Sie das wissen sollten es sollte einfach
rauskommen. Sehr viel Alkohol, sehr viel Unsinn und Gio meint,
dass auch ein paar Drogen dabei waren. Sie sollten das wissen."
kurze Pause Oh, and he's beschwindelt VANITY FAIR um eine ganz
schön große Summe Geld."
Quelle : US Vanity Fair Magazin, October 2003
Übersetzung: Julie und Janina, teamwork at its best :) |