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Dr. Superstar
source: Playboy, GER, date: July 2000, language:german
Eigentlich vermisst er die unbeschwerten
Tage in der Anonymität ein bisschen. George Clooney ist einer
der wenigen Filmstars, die sich wegen ihres späten Ruhms
noch erinnern können, ohne Bodyguards und VIP-Lounges mit
ein paar Kumpels einen heben gewesen zu sein. Erst mit 33 wurde
der Mann aus Augusta, Kentucky, zum Star, nachdem er die Rolle
des verständnisvollen Mediziners Doug Ross in Emergency Room
übernahm. Das Saubermann-Image des Serien-Arztes und die
makellosen Züge des Darstellers passten perfekt zusammen.
Von seinem Softie-Ruf konnte sich Clooney erst in jüngster
Zeit entfemen, mit Action-Auftritten im Golfkriegs-Drama Three
Kings oder als gewitzter Gangster in Out Of Sight. Jetzt spielt
der Schauspieler unter der Regie von Wolfgang Petersen (Das Boot)
»n Der Sturm (Filmstart 20. 7.). Für den Mimen war es eine
Traumrolle, die er allerdings Mel Gibson zu verdanken hatte, der
als Idealbesetzung vorgesehen war, das Angebot jedoch ausschlug.
Im Playboy-Inter--view spricht George Clooney darüber, wie
er es schafft, selbst ab Star halbwegs normal zu bleiben, über
sein grandioses Scheitern ab Batman und das Privileg, ein männlicher
Darsteller mittleren Alters zu sein.
PLAYBOY: Mr. Clooney, wie fühlt
es sich an, ein populärer Single zu sein? CLOONEY: Früher
war es viel einfacher.
PLAYBOY: Sie meinen, bevor Sie ein
Star wurden?
CLOONEY: Ja. Ich erzähle Ihnen
mal, wie das läuft. Ich wollte immer schon mal in die Playboy
Mansion. Als ich dann eingeladen wurde, war es eine dieser Pyjama-Partys.
Als ich reinkam, wurde ich sofort von etwa 15 Leuten umringt,
hauptsächlich hübsche Mädchen. Aber es war nicht
so, wie Sie sich das vielleicht vorstellen. Die wollten nur mit
mir fotografiert werden. Wenn es so weit ist, ist man nur noch
eine Pappfigur, neben die sich Leute stellen. Sich mit einem Mädchen
zu unterhalten und sie kennen zu lernen, ist nicht mehr drin.
Als es immer schlimmer wurde und von allen Seiten Leute an mir
zerrten, also als es richtig ärgerlich wurde, kam ein Typ
auf mich zu und sagte: "Ist das icht Wahnsinn, Mann? Du hast
es geschafft! Zehn Weiber an jedem Finger." Ich dachte bloß,
wie einfach es früher war.
PLAYBOY: War es wirklich einfacher?
CLOONEY: Damals ging es darum, dass
da ein Typ ist, der sich mit einem Mädchen ' unterhält,
und eben das sonstige Drumherum - der Kitzel, mit dem das verbunden
ist. Man sieht auf einer Party jeman-den, dann ein Blickkontakt,
man kommt sich langsam näher. Irgendwie findet man eine Möglichkeit,
ins Gespräch zu kommen und - na ja. Sie wissen schon. Das
hatte noch echten Reiz.
PLAYBOY: Trotzdem werden Sie nicht
von vielen Männern bedauert.
CLOONEY: Ich weiß, und ich
will mich auch nicht beklagen. Aber es ist nicht so, wie es aussieht.
Sicher, ich bekomme viel Aufmerksamkeit, aber die bekäme
ich sogar, wenn ich Raymond Burr wäre. Sie erkennen jeden,
der berühmt ist. Wenn Sie mich fragen würden, was ich
an der früheren Anonymität vermisse, dann die Erfahrung,
jemanden ganz gewöhnlich kennen zu lernen - das Prickeln.
PLAYBOY: Obwohl nur wenige Frauen
Ihnen einen Korb geben würden.
CLOONEY: Ich bin anders als viele
Männer. Ich gehe in einer Bar nicht auf ein unbekanntes Mädchen
zu und frage, ob sie mit mir tanzen will. Ich hatte noch nie Lust,
mein Innerstes, das so empfindlich ist wie das jedes anderen Mannes,
einem Mädchen einfach schutzlos auszuliefern, damit es darauf
herumtrampeln kann. So was ist ziemlich dumm.
PLAYBOY: Gibt es Orte, an denen Sie
wie ein normaler Mensch behandelt werden?
CLOONEY: In Los Angeles gibt es so
viele Stars, dass man in Ruhe gelassen wird. Sie sehen Mel Gibson
im Lebensmittelladen. Deshalb reißt es die Leute nicht groß
vom Hocker. Aber wenn man in einer änderen Stadt ist, kann
man nirgendwo in aller Ruhe was trinken. Sobald die Leute ein
bisschen getrunken haben, werden sie mutig. Und plötzlich
habe ich einen Haufen Typen um mich, die mir auf die Schulter
klopfen und mich auf einen Drink einladen wollen. Das Komische
ist nur, wie ich dann auf so was reagiere: Ich bin nett und rede
mit ihnen. Am Ende tue ich genau das, was ein Mädchen in
so einer Situation täte
PLAYBOY: Mal direkt gefragt: Wie
schaffen Sie es, kein Arschloch zu werden?
CLOONEY: Ich habe einige Leute Arschlöcher
werden sehen, die vorher keine waren. Allerdings habe ich ein
paar Vorteile gegenüber vielen, die berühmt sind. Ich
wurde erst mit 33 berühmt. Außerdem habe ich erlebt,
wie launisch eine Fangemeinde sein kann, wie man einen Tag berühmt
sein kann, und wie sich schon am nächsten kein Schwein mehr
für einen interessiert. Aus unmittelbarer Nähe habe
ich das bei meiner Tante Ro-semary mitbekommen. Sie war ein großer
Star, und plötzlich war sie über Nacht in der Versenkung
verschwunden. Die Zeiten hatten sich geändert. Mit ihrem
Können hatte das nichts zu tun. Mit 19 sagte ihr jeder, wie
toll sie wäre. Aber mit 28 war plötzlich Schluss damit.
PLAYBOY: Was genau haben Sie gelernt?
CLOONEY: Nicht auf das zu hören,
was die Leute über einen sagen. Ich machte einen Pilotfilm
für CBS. Wir saßen zu einer Leseprobe um den Tisch
und alle lachten, und Barbara Corday, die CBS-Chefin, kam auf
mich zu und sagte: "Sie sind ein Genie! Es gibt einen Robin
Williams, und es gibt Sie. Sie sind absolut umwerfend." Eine Woche
später feuerten sie alle anderen Schauspieler, schrieben
das Drehbuch neu und feuerten den Regisseur. Corday sagte: "Wir
engagieren einen Schauspiellehrer für Sie." Und ich:"Heißt
das, ich bin plötzlich nicht mehr absolut umwerfend?" Hätte
ich ihre erste Bemerkung ernst genommen, wäre ich nach der
zweiten am Boden zerstört gewesen. Tatsache ist, die meisten
Schauspieler sind keine Arschlöcher. Sie gelangen in den
Ruf, weil sie von Arschlöchern umgeben sind. Die Leute um
einen rum behandeln die Leute wie den letzten Dreck und behaupten,
sie würden das nur tun, um einen zu beschützen. Mein
Assistent war mal richtig widerlich zu jemandem. Ich sagte ihm:
"Ist Ihnen eigentlich klar, dass Sie mich repräsentieren?"
PLAYBOY: Gibt es Unterschiede zwischen
der Berühmtheit eines Filmstars und der eines TV-Schauspielers?
CLOONEY: Wenn man in einer so erfolgreichen
Serie wie Emergency Room mitwirkt, ist man berühmter als
ein Filmstar. Die Leute glauben, einen persönlich zu kennen.
Man ist ständig bei ihnen zu Hause. Wenn die Leute Mel Gibson
sehen, flüstern sie: "Das ist Mel Gibson!" Bei mir rufen
sie: "George!", und dann kommen sie und legen mir den Arm
um die Schulter, weil sie das Gefühl haben, mich zu kennen.
PLAYBOY: Als Emergency Room so gut
ankam, wurden Ihnen dann automatisch auch Filmrollen angeboten?
CLOONEY: Als ich beim Fernsehen anfing,
nahm ich jede Rolle an, die ich kriegen konnte. Ich habe dafür
gekämpft, die Rolle in Emergency Room zu kriegen, und als
ich sie bekam, hat sie mein Leben verändert. Als ich dann
anfing. Filme zu machen, war es genauso. Zuerst machte ich alles,
was ich kriegen konnte. Aber ich habe dazugelernt. Beim Fernsehen
lernte ich, auf das Drehbuch zu achten. Aber beim Film hatte ich
das wieder vergessen. Aber die Binsenweisheit stimmt: Man kann
aus einem guten Drehbuch einen miesen Film machen, aber aus einem
schlechten Drehbuch keinen guten Film.
PLAYBOY: Wann fingen Sie an, wählerischer
zu werden?
CLOONEY: Nach Batman. Ich war gerade
auf Promotion-Tour für den Film. Man wird ziemlich gut dafür
bezahlt, dass man diese Dinge tut. Aber es fällt einem natürlich
nicht leicht, wenn man den Film nicht mag. Man lernt, Dinge zu
sagen, die die gewünschte Wirkung haben und trotzdem keine
richtige Lüge sind: "Das ist der größte Film,
den ich je gesehen habe." - "Die Special Effects sind fantastisch."
- "Mit Arnold zu arbeiten, ist eine tolle Erfahrung." Aber
es ist peinlich. Deshalb machte ich zwar für Batman Werbung,
aber danach sagte ich: "Ich habe genug Geld, dass ich es
nicht mehr nötig habe, einen Film zu machen, den ich nicht
machen will." Mit einem finanziellen Polster fällt so was
leichter.
PLAYBOY: Was missfiel Ihnen an Batman?
CLOONEY: Es war alles gigantisch.
Bis wir den Film drehten, hatten sie schon Unmengen von Spielsachen
verkauft. Es ging nur darum, Geld zu machen. Tatsache ist, es
war ein 150-Millionen-Dollar-Film, und sie zahlten mir zehn Millionen.
Das hat mich eingeschüchtert. Es war alles so gigantisch.
Andere Schauspieler, die mit solchen Filmen mehr Erfahrung haben,
hätten in meiner Situation vielleicht versucht, mehr daraus
zu machen. Es fing schon damit an, dass meine Rolle vom Drehbuch
schon nicht berauschend war. Jemand mit mehr Erfahrung hätte
auf ein besseres Skript gedrängt. Ich könnte darüber
jetzt lamentieren, aber wenn die Leute sagen: "Als Batman
warst du beschissen", kann ich nur sagen: "Na schön,
dann war ich eben beschissen." Ich habe auch in Rückkehr
der fällertomaten gespielt. Ich habe viel schlechtere Filme
gemacht. Das gehört zu einer Karriere.
PLAYBOY: In Kürze kommt Der
Sturm in die Kinos. Was hat Sie dazu bewogen, in dem Film mitzuspielen?
CLOONEY: Ich las das Buch und wusste,
das könnte sowohl ein guter Actionfilm werden als auch eine
große amerikanische Tragödie. Ich stehe bei Warner
unter Vertrag. Als sie die Rechte erstanden, sagte ich ihnen,
dass ich den Film gern machen würde. Sie sagten zwar, dass
Mel Gibson die Rolle bekäme, aber als dann Mel ausfiel, war
ich am Drücker.
PLAYBOY: Ist es okay, zweite Wahl
zu sein?
CLOONEY: Ich bin Geschäftsmann.
Wenn ich ein Produzent oder Regisseur wäre, würde ich
mich auch für Mel Gibson entscheiden. Wenn in Out Of Sight
Harrison Ford mitgespielt hätte oder in Three Kings Mel Gibson,
hätten diese Filme mehr Geld eingespielt. Es ist eine vernünftige
Überlegung. Ich habe mal Damenschuhe und Herrenanzüge
verkauft. Dabei habe ich gelernt, wenn man immer gute Ware anbietet,
finden die Kunden irgendwann den Weg zu einem.
PLAYBOY: Gibt es Filmrollen, die
Sie unbedingt bekommen wollten?
CLOONEY: Die Rolle von Brad Pitt
in Thelma und Louise. In die Endauswahl kamen drei Schauspieler,
darunter Brad und ich. Ich probte etwa fünfmal mit Geena
Davis. Ich dachte, ich würde die Rolle bekommen, aber Brad
bekam sie. Sie war ein gewaltiger Karriereschub für ihn.
Ich sah mir den Film jahrelang nicht an, und dann lieh ich ihn
mir irgendwann auf Video aus. Brad ist optimal in der Rolle. Besser,
als ich je hätte sein können.
PLAYBOY: Wie kamen Sie zur Schauspielerei?
CLOONEY: An eine Karriere als Schauspieler
hatte ich nie ernsthaft gedacht. Doch dann kam mein Cousin nach
Le-xington, um einen Low-Budget-Film über ein Pferderennen
zu machen. Sie gaben mir eine kleine Rolle. Es war ein mieser
Film, der nie in die Kinos kam, aber ich fand Gefallen an der
Sache.
PLAYBOY: Haben Sie auf dem College
eine Schauspielausbildung gemacht?
CLOONEY: Auf dem College habe ich
mir eine schöne Zeit gemacht. Sie müssen wissen, ich
komme aus einer streng katholischen Familie. Noch im letzten Jahr
an der Highschool musste ich spätestens um neun zu Hause
sein. Kaum war ich also von zu Hause weg, dachte ich: Wahnsinn!
Heute spricht keiner mehr darüber, aber es gab eine Zeit,
da war Blow was völlig Normales, als wäre es vollkommen
harmlos. Alle Designerdrogen waren okay - Quaaludes und Blow.
Das war also, was ich auf dem College gemacht habe: Drogen nehmen
und Girls anmachen. In den Seminaren erschien ich nur, um mal
kurz hallo zu sagen.
PLAYBOY; Wie kamen Sie nach Hollywood?
CLOONEY: Ich ging nach L. A., um
als Schauspieler Arbeit zu finden. Bevor ich losfuhr, kehrte ich
noch mal in meinen Heimatort zurück, um mir bei der Tabakernte
etwas Geld zu verdienen. Ich verdiente etwa 450 Dollar, bei drei
Dollar Stundenlohn. Das Geld steckte ich in einen Monte Carlo,
Baujahr '76. Die Kiste fiel schon halb auseinander und lief nur
noch auf vier Zylindern. Sie schluckte Unmengen Öl. Ich fuhr
zwei Tage durch. Da mit der Zündung etwas nicht in Ordnung
war, konnte ich den Motor nicht abstellen. Ich ließ ihn
einfach laufen, wenn ich am Straßenrand eine Stunde schlief,
und fuhr dann weiter. Irgendwann kam ich in Beverly Hills an.
PLAYBOY: Ihr erstes Engagement?
CLOONEY: Mein erster Film war ein
Spot für Panasonic. Mein erstes Engagement als Schauspieler
hatte ich in Trio mit vier Fäusten, dafür bekam ich
meine SAG-Kar-te (Gewerkschaflsausweis). Ich spielte einen Verbrecher,
der drei Mädchen als Geiseln nahm. Da ich keinen Agenten
hatte, rief ich an und gab vor, Agent zu sein.
PLAYBOY: Für einen Unbekannten
hatten Sie wenig Probleme, Arbeit zu finden.
CLOONEY: Es gab schon eine Phase,
in der mich niemand haben wollte. Ich war beim Vorsprechen immer
sehr gehemmt. Aber irgendwann sagte ich mir, ich müs-se an
die Schauspielerei genauso range-hen wie an Baseball. Ich trichterte
mir ein: "Von jetzt an zerbrichst du dir nicht :
den Kopf darüber, ob du den Ball triffst. Von jetzt haust
du drauf, dass die Fetzen fliegen." Wenn Schauspieler vorsprechen
müssen, denken sie immer, oh Gott, sie finden mich bestimmt
schrecklich. Aber ich kam an und verkaufte denen mein Selbstbewusstsein,
nicht mein schauspielerisches Können. Bei Vorsprechproben
bekommt nie der beste Schauspieler die Rolle. Vor allem nicht
beim Fernsehen. Die Rolle kriegt derjenige, der reinkommt und
es voll bringt. Oft kommt es auch mehr auf den Auftritt an. Also
kam ich mit einem Hund unterm Arm an. Oder ich zog eine Sektflasche
und ein Telefon aus der Tasche und spielte die Szene. Die Reaktion
der Leute war: "Was soll das denn?"
PLAYBOY: Scheinbar hat es funktioniert.
CLOONEY: Ich bekam reihenweise Serien
angeboten. Aber den Durchbruch hatte ich mit Emergency Room. Es
passierte genau zum richtigen Zeitpunkt, weil ich schon älter
war. Man hat mehr Gewicht, wenn man älter wird. Mit 31 sah
ich noch wie ein junger Mann aus. Inzwischen, obwohl ich nur zwei
Jahre älter bin als Brad Pitt, sehe ich wesentlich älter
aus, was mich manchmal ziemlich frustriert hat. Als ich älter
wurde, merkte ich, dass ich aus dem Umfeld von Tom Cruise und
Brad verschwand. Ich schuf meine eigene Kategorie.
PLAYBOY: Was halten Sie eigentlich
von kleinen Romanzen am Set?
CLOONEY: Das ist gefährlich.
So was kann ein Albtraum werden. Wenn man eine Fernsehserie macht,
muss man manchmal neun Monate lang täglich zusammenarbeiten.
Und was, wenn man genug voneinander hat? Bei einem Kinofilm sind
es wenigstens nur vier oder fünf Monate, bis man wieder getrennte
Wege geht.
PLAYBOY: Fühlt man sich am Set
ohne feste Freundin nicht manchmal einsam?
CLOONEY: Sicher. Aber ich habe mich
in manchen Beziehungen schon genauso schlecht gefühlt wie
allein.
PLAYBOY: Summt es, dass Michelle
Pfeiffer und Nicole Kidman um 10 000 Dollar mit Ihnen gewettet
haben?
CLOONEY: Sie haben gewettet, dass
ich Vater werde, bis ich 40 bin (lacht). Ich bin jetzt 39, habe
also noch Zeit. Ich habe ihnen gesagt, ich lasse mich sterilisieren
und verdiene mir so die 20 000 Dollar.
PLAYBOY: Haben junge Männer
Vorteile, in Fernseh- und Kinofilmen zu spielen?
CLOONEY: Ich bin froh, zur bestgestellten
Schauspielerkategorie zu gehören, die es gibt - zumindest
im Moment. Ich bin ein 39-jähriger Weißer in einer
Branche, die den Schauspielern in dieser Kategorie das größte
Stück vom Kuchen gibt. Das heißt nicht, dass ich finde,
es sollte so sein. Aber so ist es nun mal, und ich profitiere
davon. In Wirklichkeit können auch noch 55-jährige Männer
Kassenmagneten sein. Eine Karriere, die ich wirklich bewundere,
ist die von Paul New-man. Obwohl er der bestaussehende Mann ist,
der je gelebt hat, und immer ein Star ist, geht er an seine Arbeit
heran, als wäre er ein Charakterdarsteller. Wie viele Männer
von dieser Sorte gibt es wirklich?
PLAYBOY: Schauspielerinnen sind vom
Alterwerden ganz besonders betroffen.
CLOONEY: Bei Frauen geht es schneller,
weil es deutlicher zu sehen ist. Leute, die Filme machen, halten
jetzt schon nach der nächsten 27-Jährigen Ausschau,
die sie als Sexobjekt vermarkten können. Sie sagen: "Diese
ältere Schauspielerin ist jetzt ein mütterlicher Typ
und kein sexueller Typ mehr. Ich sehe mich nach einer sexuellen
Figur um." Komischerweise läuft es immer aufs Ficken raus.
PLAYBOY: Aufs Fi**en?
CLOONEY: Ich hatte malein Gespräch
mit einem Studiochef, dessen Namen ich hier besser nicht nenne.
Wir unterhielten uns über eine Schauspielerin, die fraglos
eine der besten überhaupt ist. Sie wollte mit uns arbeiten.
Aber der Typ sagte: "Also, die würde ich nicht fi**en."
Obwohl bei der Rolle kein Sex im Spiel war, lief es aufs Fi**en
raus. Sehen Sie sich doch mal die Rockstars an, die sich 20 oder
30 Jahre gehalten haben. Sie sind alle dünn und auf skurrile
Art sexuell attraktiv. Die Stones, Bowie. Die Typen, die ein bisschen
aus dem Leim gegangen sind, geben eine eher traurige Figur ab.
Für mich besteht das Geheimnis darin, dass man so alt aussieht,
wie man ist. Aber man muss für sein Alter so gut wie nur
irgend möglich aussehen. Sie dürfen nicht versuchen,
jünger auszusehen, sonst stimmt mit Ihrem Aussehen etwas
nicht. Zum Beispiel, wenn ich mir die Haare färben würde
oder ein Toupet trüge. So ein Spiel würde ich auf keinen
Fall mitmachen.
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