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Endlich wieder
auf der Pirsch
41 und kein bisschen weise: George Clooney über Flausen, warum
er Italienerinnen liebt und nackte Tatsachen in seinem neuen Film
"SOLARIS".
Playboy:
Sind Sie ein erbärmlicher Typ?
Clooney: Wer sagt
das?
Playboy:: Sie selbst.Vor
zehn Jahren haben Sie angekündigt, Sie würden sich für eine erbärmliche
Figur halten, wenn Sie mit 40 noch immer Affären haben und auf Parties
zu viel trinken. Jerzt sind Sie 41, Single und trinken noch immer gern
einen. Also?
Clooney: Stimmt, ich
habe das früher tatsächlich so gesehen, Gut, dass man klüger wird und
seine Meinung ändert, Ich fühle mich wohl in meiner Haut und habe kein
Problem damit, mit meinen 41 Jahren in eine Bar zu gehen.
Playboy: Also keine
Midlife-Crisis?
Clooney: Im Rücken
und in den Knien beginnt es zu zwicken, wenn ich zu viel Basketball spiele.
Ansonsten habe ich noch keinerlei Veränderungen feststellen können. Im
Kopf ticke ich wie 23 und habe jede Menge Dummheiten im Sinn, Ich spiele
4x pro Woche Baskerball mit Jüngeren. Die stecke ich allemal in die Tasche.
Aber wissen Sie, was das Gute am Altern ist? Man bekommt als gesetzterer
Mann in Hollywood mehr Rollen angeboten.
Playboy: Das Schlechte
am Altern ist, dass Ihnen mittlerweile Ben Affleck den Rang als „Sexiest
man alive" abgelaufen hat.
Clooney: Das tut natürlich weh. Aber im Ernst:
Ich amüsiere mich köstlich über diese Hysterie. Für mich hat es
in diesem Jahr immerhin zu einem Sieg in der Kategorie „Sexiest
Regisseur" gereicht.
Playboy: Sind Sie
eitel?
Clooney: Es macht
zwar Spaß zu beobachten, dass einige Leure nichts Besseres zu tun haben,
als über die Form meines Hinterns zu diskutieren. Aber ich bekomme keinen
besonderen Kick daraus. Im Gegenceit, meistens finde ich es sogar peinlich.
Aber das ist okay, ich gestalte mein Leben eben nach anderen Grundsätzen
und fahre ziemlich gut damit. Ehrlich gesagt lebe ich derzeit sogar glücklicher
als jemals zuvor. Und zwar in jeder Hinsicht.
Playboy: Was macht
den Unterschied?
Clooney: Im Beruf
habe ich endlich die kreative Freiheit, die ich mir immer gewünscht habe,
nachdem mein Freund Steven Soderbergh und ich vor zwei Jahren unsere eigene
Produktionsfirma Section Eight gegründet haben. Und im Privatleben habe
ich nach wie vor feste Säulen, die mich stützen, Meine Familie, meine
Freunde - ich bin alles andere als einsam.
"Ich habe 20.000 Dollar gewettet, auch mit 50 noch
Junggeselle zu sein".
Playboy: Verrmissen
Sie es nicht, in einer festen Beziehung zu leben?
Clooney: Es ist kein
großes Problem fiir mich, bei einer Premierenfeier mit meinen Eltern über
den roten Teppich zu laufen. Ich habe bereits mehrere ausgesprochen schöne
Beziehungen durchlebt und weiß um die Vorzüge. Allerdings auch um die
Nachteile. Mein Lebensstil des vergangenen Jahres hat es nicht unbedingt
leichter gemacht, überhaupt an eine feste Be-ziehung zu denken, Die ständigen
Reisen und endlosen Tage am Filmset, da bleibt kaum Luft für Romanzen.
Aber einer meiner Vorsätze für das neue Jahr ist, mir wieder mehr Zeit
für mein Privatleben zu nehmen.
Playboy: Nicole Kidman
hatte mit Ihnen um 10.000 Dollar gewettet, dass Sie wieder heiraten, bevor
Sie 40 werden. Haben Sie den Gewinn mittlerweile in eine Partner- vermittlung
investiert?
Clooney: Nein, ich
habe den Wetteinsarz sofort um das Doppelte erhöht, dass ich auch mit
50 nicht verheiraret sein werde.
Playboy: Was ist Ihr
Problem? Jede dritte Frau liegt Ihnen zu Füßen.
Clooney: Momentan
würde ich höchstens mein Hausschwein Max heiraten. Mal sehen, was das
neue Jahr so bringt.
Playboy: Sie gehen
wieder auf die Pirsch?
Clooney: Genau.
Playboy: Gibt es einen clooneyschen Knigge für
stilvolles Flirten?
Clooney: Ich kann
mich gar nicht mehr richtig daran erinnern, wie das eigentlich geht, Es
ist schon so lange her.
Playboy: Versuchen
Sie sich zu erinnern: Wie flirtet Clooney?
Clooney: Mit bündelweise
Bargeld in der Tasche, einem schicken Auto und zum Einstieg ein lockeres:
„Hi, ich bin George Clooney." Das reicht vollkommen.
Playboy: Konzentrieren
Sie sich künftig bei der Suche nach einer Frau auf Europa? Der erste Schritt
ist ja getan, indem Sie sich eine Villa am Comer See gekauft haben.
Clooney: Stimmt, ich
finde europäische Frauen tatsächlich sehr attraktiv, vor allem Italienerinnen.
Denen sprüht die Leidenschaft regelrecht aus den Augen, Aber ich spreche
kein Italienisch. Außer Ciao und Prosciutto gibt mein Wortschatz nicht
viel her.
Playboy: Wollen Sie
nach Italien übersiedeln?
Clooney:
Zumindest für einige Monate des Jahres. Das Haus stammt aus dem späten
17. Jahrhundert:. Direkt hinter dem Anwesen steht eine alte Reifenfabrik,
Die möchte ich umbauen und einen Schneideraum darin installieren. Wenn
ich mal wieder bei einem Film Regie führen sollte, wie kürzlich bei meinem
Debüt „Confessions Of A Dangerous Mind", kann ich die Nachbearbeitung
ganz in Ruhe dort machen. Ich habe mit meinen Freunden im vergangenen
Sommer eine Motorradtour durch Italien gemacht. Für solche Dinge will
ich künftig mehr Zeit haben.
Playboy:
Wer sind Ihre Freunde?
Clooney: Leute, die
in ganz anderen Berufen tätig sind, Der eine ist Versicherungsspezialist,
ein anderer Makler, und ich bin einfach nur George, Das genieße ich sehr,
Eitelkeiten untereinander haben wir schon lange abgelegt. Viele aus dieser
Clique kenne ich seit mehr als 20 Jahren.
Playboy: Sie hatten
erwähnt, dass Sie auch den Regisseur Steven Soderbergh zu Ihren Freunden
zählen. In seinem neuen Film „Solaris" halten Sie in zwei Szenen Ihren
nackten Hintern in die Kamera.
Clooney: Das haben
wir gemacht, um den Film besser vermarkten zu können, Es ist ein anspruchsvoller
Film ohne aufwändige Spezialeffekte, der sich in Zeiten wie diesen schlecht
promoten lässt, Wenn mein Arsch dem Werk hilft, dann habe ich kein Problem
damit.
Playboy: Gibt es dafiir
nicht Doubles in Hollywood?
Clooney: Ja, aber
Steven war der Meinung, dass ich das selbst tun muss. Da sehen Sie, wie
hart man als alternder Schauspieler sein Brot verdienen muss.
Playboy: Für die Hauprrolle
in „Solaris" haben Sie ihm ganz förmlich einen Brief geschrieben. Wieso
sind Sie nicht einfach in sein Büro gegangen und haben gesagt: „Kumpel,
diese Rolle will ich!"?
Clooney: Ich halte
es trotz einer engen Freundschaft für angemessen, Respekt zu wahren, Ich
wollte durch diesen Brief deutlich machen, dass es in Ordnung gegangen
wäre, wenn er die Rolle anders besetzt hätte. Er sollte sich die Sache
in Ruhe durch den Kopf gehen lassen. Es wäre für Steven schwerer gewesen,
wenn wir die Sachlage am Tresen bei ein paar Bier besprochen hätten.
Playboy: In „Solaris"
bekommen Sie als Weltraumwissenschaftler Chris Kelvin auf seltsame Weise
die Möglichkeit, eine frühere Beziehung wieder aufleben zu lassen und
gemachte Fehler zu korrigieren. Welche Fehler würden Sie gern rückgängig
machen?
Clooney: Ich hatte
mal einen guten Freund in der High School, da war ich 16. Wir waren begeisterte
Baseballspieler. Dann haben wir uns gestritten, eine ziemlich alberne
Geschichte, es ging um ein verlorenes Baseballspiel. Wir haben einige
Wochen nicht miteinander gesprochen, Dann kam er bei einem Unfall ums
Leben, Ich habe bereut, dass ich damals nicht den ersten Schritt gemacht
habe, um mich mit ihm zu versöhnen.
Playboy: Bei „Confessions
Of A Dangerous Mind" haben Sie zum ersten Mal selbst als Regisseur gearbeitet.
Ging alles glatt?
Clooney: Lehrgeld
zahlt man immer am Anfang. Ich habe nicht mal das gesamte Budget benötigt,
und wir haben sogar einige Tage früher als geplant die Aufnahme im Kasten
gehabt.
Playboy: Warum wollten
Sie Regie führen?
Clooney: Das Drehbuch
von Charlie Kaufman hat mich so begeistert. Drehbücher dieser Qualität
sind eine Seltenheit in Hollywod. Es geht um die wahre Geschichte des
Fernsehmoderators Chuck Barris, der neben seiner TV-Karriere als Undercover-
Agent für die CIA arbeitete. Ein Typ, der tagsüber Game-Shows moderiert
und am Abend Gangster jagt, Barris und ich haben uns mittlerweile angefreundet.
Ist wohl besser so, wer weiß, welche Kontakte der noch in die Unterwelt
hat.
Playboy: Der Versuch
als Filmemacher hinter der Kamera ist aber keine Panikattacke, weil Sie
fürchten, nur noch mit nacktem Hintern als Schauspieler zu punkten, oder?
Clooney: Jerzt haben
Sie es doch Durchschaut. Nein, ich bin in der glücklichen Lage, nur noch
nach meinem eigenen Gefühl entscheiden zu können, welchen Film ich machen
möchte und welchen nicht. Und ob ich dabei auch Regie führen will, ob
ich eine kleine oder große Rolle spiele, was auch immer, ich kann es mir
aussuchen. Dass ich jemals diese kreative Freiheit erreiche, hätte ich
im Traum nicht gedacht, Aber es ist sehr angenehm.
Playboy: Angst vor
Flops?
Clooney:
Wenn ein Film floppt, dann floppt er, weil ich falsch lag mit meinem Gefühl.
Dann versuche ich es beim nächsten besser zu machen. Ich habe nicht den
Drang, nur noch Filme mit Einspielergebnissen von mindestens 100 Millionen
Dollar zu drehen. Und dennoch denke ich manchmal daran, was wohl bei den
Leu- ten in Erinnerung bleiben wird von George Clooney, wenn ich mal 70
bin. Hoffentlich nicht „Batman und Robin". Dann doch lieber der nackte
Arsch in ,,Solaris".
© Playboy 2003 Interview Andreas Renner, Dagmar
Dunlevy | Pictures: Intertopics, Fotex
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