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Der Typ könnte Dich umlegen!
source: FOCUS Germany, April 2003, issue 16
Ein amerikanischer Phantast. George Clooney
über sein Regie-Debüt, den grotesken Thriller "Geständnisse
- Confessions of a Dangerous Mind"
FOCUS: Wer hatte denn die Idee zu der Berliner
Bierhölle in dem Film?
Clooney: Ich gestehe, das war ich, Ursprünglich
spielte die Szene in Wien, und meine Idee war, alle nur möglichen
Deutschland-Klischees da reinzupacken.
FOCUS: Es wirkt wie eine Art Mischung aus Oktoberfest
und Nazi-Heidi...
Clooney: Ja, das sollte die Perspektive dieses
Spions widerspiegeln, die so voller amerikanischer Phantasien
vom Kalten Krieg und von Berlin steckt
FOCUS: Als Sie "Confessions Of A Dangerous Mind"
- Chuck Barris' autobiografische Vorlage - lasen, nahmen Sie dessen
"Geständnisse" da für bare Münze?
Clooney: Nein, das kam mir gleich total erfunden
vor. Ich kenne mich ja im Fernsehgeschäft aus, mein Vater arbeitete
als TV-Produzent, und Barris war in Amerika als Erfinder vieler
Gameshow-Formate in den 70er-Jahren ziemlich berühmt. Dass er
ein geheimes Doppelleben als CIA-Killer geführt haben will, klang,
als ob er den Verstand verloren habe.Ich wollte das im Film spaßeshalber
etwas offen lassen, aber wenn er einem gegenübersitzt, denkt man
natürlich schon mal: Was, wenn das wirklich stimmt: Der Typ könnte
dich ganz einfach umlegen!
FOCUS: Und was sagt Barris selber?
Clooney: Ehrlich gesagt, habe ich immer vemieden,
ihn darauf festzunageln. Aber witzigerweise hat sich vor zwei
Monaten die CIA nun erstmals nach knapp 20 Jahren Schweigen geäußert
und Barris' angebüche Agententätigkeit als absolut lächerlich
bezeichnet. Das lässt einen natürlich wieder zweifeln.
FOCUS: Ihr Regiedebüt hatte ein relativ bescheidenes
Budget. Wie kriegt man da Julia Roberts dazu mitzuspielen?
Clooney: Das war natüriich ein Freundschaftsdienst.
Aber glauben Sie mir: Dieses Drehbuch zirkulierte seit langem
in der Branche, und jeder, wirklich jeder A-Listen-Star hätte
gern mitgemacht. Als ich Julia wegen "Confessions" anrief und
sie um einen Gefallen bat, fragte sie gleich: "Geht es um die
Rolle jener Agentin Patricia?" und sagte sofort zu.
FOCUS: Drehbuchautor Charlie Kaufman ist vom Film
nicht so begeistert
Clooney: Na ja, Charlie ist ein bisschen kompliziert,
das ist ja bekarmt, und er hat es in "Adaption" ausgiebig thematisiert.
Wir hatten nicht allzu viel Kontakt, weil er eben gerade nut diesem
Film beschäftigt war, aber ich glaube, dass kaum eines seiner
Drehbücher bisher so eins zu eins umgesetzt worden ist. Er hatte
es immer wieder umgeschrieben, und ich hab mich an die Urversion
gehalten, nur etliche Sachen für die Schauspieler zum Improvisieren
offen gelassen. Das war ich ihnen als Schauspieler einfach schuldig.
FOCUS: Mit dem Regisseur Steven Soderbergh haben
Sie eine gemeinsame Produktionsfirma. Sind Sie befreundet?
Clooney: Klar, er ist ein enger Freund.
FOCUS: Aber man kann sich schwer vorstellen,
dass er zu den Jungs gehört, mit denen Sie Basketball spielen...
Clooney: Nein, das tut er nicht. Aber täuschen
Sie sich nicht, er ist durchaus sportlich. Er spielt Baseball
nnd ist ein richtig guter Pitcher.
FOCUS: Wie kam es zur Freundschaft dieser zwei
Power-Player Hollywoods?
Clooney: Wir merkten bei "0ut Of Sight", dass
wir beide für die richtigen Dinge kämpften. Etwa Jennifer Lopez
zu besetzen, die damals als Schauspielerin noch ein Nichts war.
Das Studio wollte unbedingt einen bekannten Namen. Ich hatte damals
gerade "Batman & Robin" hinter mir und er "Die Kehrseite der Medaille",
wir waren also nicht gerade am Höhepunkt unserer Karrieren und
konnten ein bisschen gegenseitige Unterstützung ganz gut gebrauchen,
FOCUS: Sie erwähnen stets "Batman & Robin" als
Ihren schlechtesten Film...
Clooney: Ja, in kreativer Hinsicht war das der
Tiefpunkt meiner Karriere. Nichts gegen Joel Schumacher, den Regisseur.
Es war einfach so ein Seriending, aus dem die Luft raus war, aber
ohne den Film wäre ich nicht in "0ut Of Sight" gel landet, und
es wäre nicht bergauf gegangen. So kommt eben eins zum anderen.
FOCUS: Trotzdem brandmarken nur wenige Stars eigene
Filme als schlecht...
Clooney: Was soll's, Angriff ist die beste Verteidigung.
Die Kennedy-Schweinebucht-Methode. Als Kennedy die Pressekonferenz
zur Kuba-Invasion mit den Worten eröffnete, das sei eine dumme
Sache gewesen, nahm er den Joumalisten damit gleich den Wind aus
den Segeln.
FOCUS: Sie waren gerade auch in Soderberghs "Solaris"-Remake
zu sehen. Er sagt, da sei ein völlig neuer George Clooney zu sehen,
eine Schauspieler-Performance ohne jeglichen Star-Nimbus...
Clooney: Natürlich freut mich sein Lob, weil
Steven auch jemand ist, der ganz genau weiß, was er warum tut.
Aber für mich ist jede Rolle ein neuer Schritt, denn das Einzige,
was langweilig wäre, ist, sich zu wiederholen.
FOCUS: Er schwärmt von Ihrem hohlen, leeren Blick...
Clooney: Da kam mir der Stress von unserem durchgeknallten
Zeitplan zu Hilfe, den wir aber auch bewusst so gelegt hatten.
Am Tag hab ich für "Solaris" geschauspielert und nachts "Confessions"
geschnitten. Da half die Müdigkeit, all die Schwellen und Schutzmechanismen,
die ich normalerweise gegenüber etner Rolle aufbaue, fallen zu
lassen.
FOCUS: Aber selbst das nackte Hinterteil des
großen Schauspielers konnte den Film nicht an der Kinokasse retten...
Clooney: Na ja, dafür hab ich das nicht getan
(lacht). Ich weiß wirklich nicht, was diesen Film in Amerika hätte
retten können, weil er das Publikum ja nicht einmal spaltete,
es wollte ihn einfach nicht sehen, Filme, die keine Antworten
bieten, haben derzeit keine Chance.
FOCUS: Sie mussten ja ziemlich katastrophale Testvorführungen
bei den letzten Filmen über sich ergehen lassen. Ist das mittlerweile
nicht fast traumatisch?
Clooney: Selbst bei Erfolgen wie "0ut Of Sight"
oder "Three Kings" waren sie furchtbar, angenehm ist das natürlich
nicht. Aber ich bekomme jeden Tag zwei, drei Briefe, die mich
ermuntern, auch von Regisseuren, die mir wichtig sind. Mike Nichols
schrieb gerade, heute bekam ich einen Brief von Richard Donner.
Sie bestätigen mich, dass ich bei "Confessionse" auf dem richtigen
Weg bin. Und nur darum geht es nur: neue, interessante Dinge zu
tun.
FOCUS: Soderbergh prophezeit Ihnen ja auch eine
große Karriere als Regisseur...
Clooney: Ich möchte beides machen, inszenieren
und schauspielern, "Confessions" hab ich ja nicht gedreht, weil
ich unbedingt Regie führen wollte, sondem weil mich das Drehbuch
begeisterte, es aber niemand inszenieren wollte. Wenn ich das
jetzt gleich wiederhole, dannist "Confessions" halt einer von
etlichen Filmen - aber wenn ich jetzt 20 Jahre keinen mehr selbst
inszeniere, dann wird er ein Klassicker (lacht).
FOCUS: Als Schauspieler haben Sie auch genug verdient,
um nur noch für den Nachruhm arbeiten zu können...
Clooney: Wollen wir's mal nicht übertreiben. Aber
es stimmt schon, ich brauche keine Kompromisse mehr einzugehen,
sondern kann tun, was mich reizt.
FOCUS: Geht es Ihnen da mehr um den Stoff odr
um bestimmt leute, mit denen Sie zusammenarbeiten wollen? Clooney:
Um gute Drehbücher. FOCUS: Nicht auch Regiegrößen wie Scorsese
oder Spielberg?
Clooney: Es ja wenig große, arrivierte Regisseure,
die wirklich noch etwas wagen. Die meisten haben das gemacht,
als sie jung waren. Und solche Leute interessieren mich mehr,
etwa einige spannende mexikanische Regisseure; in Deutschland
finde ich Tom Tykwer toll, mit dem ich mich schon getroffen habe
und gern etwas machen würde.
FOCUS: EIn Projekt von Ihnen hat ja auch den Titel
"The Good German"...
Clooney: Das hat damit nichts zu tun, Steven Soderbergh
wird es drehen, es ist eine Art "Chinatown" in Nachkriegsdeutschland
und es geht um Deutsche Wissenschaftler, die womöglich Kriegsverbrecher
waren, aber schnell von den Amerikanern in Beschlag genommen wurden,
damit die Russen sie nicht kriegen. Das ist eine Art Anklage gegen
die damals neu einsetzende US-Außenpolitik.
Interview: Harald Pauli
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