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George Clooney: Geständnisse eines gutausehenden Mannes

Mit „Confessions of a Dangerous Mind“, der bizarren Geschichte von TV-Serien Produzenten Chuck Barris, der Fernseherfolge voraussagen konnte und angeblich in seiner Freizeit als CIA-Auftragskiller gearbeitet haben soll, legte George Clooney gerade sein Regie-Debüt hin. Er sprach mit Chris Roberts über die Vor- und Nachteile des Ruhms.

Chucks Status als große Berühmtheit trieb ihn schließlich in den Wahnsinn. Wie gehen Sie mit all der Aufmerksamkeit um?
Clooney: Wissen sie, es gibt keine Schule dafür. Obwohl es eine geben sollte. Oh richtig, es gibt ja die Fame Academy (Anm. der Red.: Doku Soap ähnlich den "Superstars": in Deutschland ab Herbst 2003 bei RTL2.) – die kamen nicht sehr gut an, oder? Stellen Sie sich mal die Verlierer vor – man geht dahin und wird trotzdem nicht berühmt. Oh man, dann ist man wirklich gearscht.

Ich bin sicherlich die letzte Person, die über irgendetwas Ratschläge geben kann. Aber ein Trick besteht darin, dass man seine Zeit nicht damit verschwendet,falsche Dinge, die über einen gesagt wurden, richtig zu stellen. Ich würde gerne sagen, dass mir das schnurzpiepegal ist. Aber so ist es leider nicht. Solche Sachen berühren einen. Manchmal ist es ganz hilfreich, eine schlechte Kritik zu bekommen, aber als Schauspieler neigt man meistens dazu, sich darüber maßlos aufzuregen. Lass es einfach laufen.

Den besten Rat bekam ich von meiner Tante, der großen Sängerin Rosemary Clooney, und von meinem Vater, der sein Geld als Gameshow-Moderator und Nachrichtensprecher verdiente: Wach nicht eines Tages mit 70 auf und beschwer dich, was du alles ausprobiert haben könntest. Mach es einfach- auch wenn die Gefahr besteht, zu versagen, dann hast du's zumindest probiert. Das hab ich mir die ganzen letzten Jahre vor Augen gehalten.

Was ist das Beste an ihrem Status als Berühmtheit?
Clooney: Die Möglichkeit zu bekommen, Filme zu machen, die sonst nicht entstanden wären. Die Gewissheit, dass wenn man in einen Raum geht und sagt: „Du machst das jetzt“, das es dann auch gemacht wird. So lief das bei „Three Kings“ oder „O Brother, Where Art Thou“ oder „Solaris“. Filme, die in der ersten Woche nicht so viel einpsielen werden. Das Schlimmste ist, wenn die Paparazzi mit ihren Kameras am Flughafen stehen und versuchen, mich nicht dabei zu ertappen, wie ich etwas Dummes tue, sondern mich provozieren wollen, etwas Dummes zu tun. Wenn sie zum Beispiel meine Assistentin stoßen oder beleidigen und dabei hoffen, dass ich reagiere. Wenn ich dumm genug dazu wäre, würde ich den Kopf hinhalten, aber so ist das einfach nur idiotisch.

Ein paar Schauspieler aus ihrer "Ocean’s Eleven" Gang spielen in "Confessions" mit?
Clooney: Ja, ich musste Brad (Pitt) und Matt (Damon) jeweils zwanzig Millionen US Dollar für ihren 3-Sekunden-Auftritt bezahlen. Das war ganz schön hart... Nein, war ein Scherz. Ich fand raus, dass Burt Reynolds und Tom Selleck in den 70igern beim „Dating Game“ mitspielten, beide aber nicht ausgewählt wurden. Deshalb dachte ich, dass es lustig wäre, wenn die beiden dabei wären. Der Kerl, der sie besiegt, war übrigens unser Storyboard-Ersteller (gibt’s so was überhaupt? Oder wie übersetzt man sonst „Storyboard Artist“?) Trotzdem musste ich seinen Namen von „dicker Junggeselle“ auf „studierender Junggeselle“ umändern, bevor er einwilligte, mit zu machen.

Sie müssen das wegen Julia (Roberts) und Drew (Barrymore) verstehen – als ich grünes Licht für das Projekt bekam, rief mich jede A-Listen Schauspielerin in der Stadt an. Nicht etwa, weil ich Regie führte, sie hatten keine Ahnung, wie das werden würde, sondern weil es ein Kaufman-Drehbuch war. Normalerweise waren das großartige Rollen. Ich rief Julia (Roberts) an und sie sagte mir, sie würde es tun, noch bevor ich fragen konnte.

Was waren die unangenehmsten Dinge in ihrer Aufgabe als Regisseur?
Clooney: (lacht.) Nunja, ich liebe es, Leuten zu sagen, sie sollen das machen, was ich sage. Ich lehn mich dann zurück und schau ihnen dabei zu. Liebesszenen sind immer befremdlich seltsam am Set. Ich weiß, jeder sagt das, aber es ist nun mal so. So nach dem Motto: „Hey Leute, würdet ihr jetzt bitte in die Kiste hüpfen?“ Zumindest hatten Sam (Rockwell) und Drew (Barrymore) schon mal geknutscht, in "Charlie’s Angels", also war es bei ihnen nicht so schlimm. Am schlimmsten fand ich die Szene mit Sam zu drehen, als er in der Dusche masturbiert. Wir mussten sie leider rausschneiden, aber wenn Chuck mir auf die Schulter klopft und brüllt: „Sag ihm, schneller. Es soll schneller sein!“ macht einen das schon verlegen. Das war einfach zu viel der...Information.“ (Anm. der Red.: im Berlinale Screening im Februar 2003 war die aber drin..*lol*)

In England kennt man Chuck Barris und seine Gong Show, die in den Staaten TV-Geschichte schrieb, so gut wie überhaupt nicht. Das ist etwas sehr Amerikanisches. Trotz allem ist Ihr Film sehr bezeichnend für das jetzige Britische Fernsehen. Lieben oder hassen sie das?
Clooney: Ich wuchs in einer Welt schlechten Fernsehens auf, auf dem Set meines Vaters und dann als junger Kerl in Shows wie „Herzblatt“ und so weiter. Ich weiß wie es aussieht, sich anfühlt, riecht... Deshalb wollte ich die Geschichte realisieren. Chuck fühlt sich für die Jerry Springers heutzutage verantwortlich (Anm. der Red.: Jerry Springr ist ein US-Talkshow Format wie "Bärbel Schäfer" nur eine Spur härter..es kommt in der Springer alkshow auch gerne zu tätlichen Übergriffen der Talkshow Gäste). Das wäre fair, aber früher war es unschuldiger, weniger schrecklich. Trotzdem fühlt er sich schuldig, es war der Anfang der Unterhaltung auf andere Leute Kosten. (Anm. der Red.. jaaa....Raab und TV Total lassen grüßen...) Als ich das Drehbuch zum ersten mal las, dachte ich, dass es verrückt sei, lächerlich – dann realisierte ich, dass es genau das beschreibt, was wir als Gesellschaft kennen. Chuck hat da so eine Theorie: In zehn Jahren wird es drei Obdachlose auf einer Bühne geben und wir werden darüber abstimmen, welche zwei eine Million bekommen und welcher umgebracht wird. Hört sich relativ weit hergeholt an, nicht wahr? Das dachten die Sender auch 1976 und es wurde wahr. Man weiß nie.

Können sie bestätigen, dass Oceans Twelve gedreht wird?
Clooney: Ich kann ihnen nichts über die Handlung erzählen, dann müsste ich schummeln, aber ja, die meisten der Gang haben die Dreharbeiten für nächsten Frühling in ihren Terminplan mit aufgenommen, es wird wohl ganz lustig werden. Steven Soderbergh und ich oder unsere "Firma Section 8", hatten drei Projekte geplant. Wir wollten „The Good German“ produzieren, ein Film über eine Art Chinatown in Deutschland in der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg mit mir in der Hauptrolle. Danach sollte „The Informant“ mit Matt Damon und danach "Ocean’s Twelve" gedreht werden. Aber dann floppte "Solaris", weil die Zuschauer noch blöder sind als ich. Deshalb haben wir Oceans an den Anfang verschoben, weil wir für die beiden anderen Filme sonst kein Budget hätten.
(Anm. der Red.. ich liebe seine Aussage über SOLARIS und den allgemeinen Zuschauer an sich..he he!)

von Chris Roberts für VILLAGE UK. Deutsche Übersetzung: Janina (A), Lektorat: Julie (GER)

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